#93 - Medienmacht, Milliardäre, Meinungskampf: Frankreichs Kulturkrieg auf dem Bildschirm
Frankreich versteht sich als Republik der Debatte, der Zeitungen, der intellektuellen Auseinandersetzung. Doch wer heute französisches Fernsehen schaut oder Radio hört, merkt: Der Ton hat sich verändert.
Ein Symbol dieser Entwicklung ist CNews – inzwischen der erfolgreichste Nachrichtensender des Landes. Kritiker sprechen von einem „Fox News à la française“: meinungsstark, polarisiert, kulturkämpferisch.
Diese Entwicklung fällt nicht vom Himmel. Sie geht einher mit einer starken Konzentration der Medien in den Händen weniger sehr reicher Eigentümer. Baukonzerne, Rüstungsfirmen, Luxusimperien – und mittendrin Journalismus.
Im Zentrum der Debatte steht der konservative Unternehmer Vincent Bolloré, der mit seinem Medienimperium tief in Redaktionen eingreift: bei CNews, bei Europe 1, beim Journal du Dimanche, bei Paris Match.
Es geht dabei um mehr als einzelne Schlagzeilen. Es geht um Agenda-Setting, um Themenwahl, um Deutungsmacht. Oder, mit einem Begriff des italienischen Denkers Antonio Gramsci: um kulturelle Hegemonie - also darum, wer festlegt, was als normal, sagbar und vernünftig gilt.
🎙️ Zu Gast: Nicolas Hubé Politikwissenschaftler von der Université Lorraine, Experte für politische Kommunikation und Medien in Frankreich.
Host: Andreas Noll
Dieses Podcast-Projekt ist mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds und der Gustav-Stresemann-Stiftung in Bonn entstanden.
Coverfoto: stock.adobe.com
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