00:00:00: Die Semene
00:00:01: der Quarantäne,
00:00:02: die Kontrakollektivität und die Konjunktur.
00:00:04: Das
00:00:05: heißt, die
00:00:07: prinzipielle Reformation von den Brüdern.
00:00:26: Vierzehn Stunden Woche Tarifverträge bezahlter Urlaub.
00:00:30: Als Leon Blum im Mai neunzehntundetsechsunddreißig das Programm der Volksfront vorstellt geht es um mehr als Sozialreformen.
00:00:38: Es geht um ein neues Versprechen der Republik Freiheit sollen auch im Alltag der Menschen spürbar werden.
00:00:50: Folge onehundertdrei von Franco-Fiel über den Mythos France populaire, über Frankreichs starke Staatsidee und über die Frage warum dieses Land seine Gegenwart bis heute so oft aus der Geschichte heraus versteht.
00:01:41: Ein großes Zukunftsversprechen für die französische Demokratie vermittelt Leon Blum an die Bevölkerung vor neunzig Jahren zum Start der Volksfront-Regierung.
00:01:52: Und dieser Ausdruck Fonds Tranquille, ruhige Kraft wird Jahrzehnte später noch einmal berühmt werden als François Mitterrand damit in den Präsidentschaftswahlkampf und gewinnt.
00:02:07: Da steht er für Leon Blum und einen Moment, der sich tief in das französische politische Gedächtnis eingegraben hat – die Volksfront in Frankreich.
00:02:19: Eine linke Sammlungsbewegung gegen die extreme Rechte, gegen den Faschismus in Europa und zugleich ein sozialer Aufbruch Fabrikbesetzungen, Streiks.
00:02:29: Vierzigstundenwoche bezahlter
00:02:31: Urlaub.".
00:02:32: Für viele Franzosen beginnt damals nicht nur eine neue Regierung sondern eine neue Vorstellung davon was die Republik leisten soll.
00:02:41: und genau darum geht es in dieser Folge von Frankophil besonders ausführlich um den Mythos Volksfront, neunzig Jahre nach der Regierungsbildung von nineteenhundertsechsunddreißig und um die Frage warum dieser kurze linke Sommer Bis heute hilft Frankreich zu verstehen.
00:02:58: Mein Gast ist wieder einmal der Historiker Matthias Wächter, er leitet das Sondra International de Formation Europäen in Nizza und hat für die Bundeszentrale für politische Bildung gerade Pocket Frankreich geschrieben – ein sehr kompaktes Frankreich Buch über Geschichte-, Politik-, Wirtschaft-, Kultur-, Republik-, Kolonialerbe-.
00:03:22: Und mit diesem Buch steigen wir erst einmal ein ins Thema, als Taschenformat im wörtlichen Sinn und als Versuch Frankreich auf engem Raum verständlich zu machen.
00:03:31: Von dort aus gehen wir dann zur Volksfront, zu Leon Blum und der Frage was von diesen republikanischen Sozialversprechen bis heute geblieben ist.
00:03:40: Herr Wächter Sie haben jetzt mit Pocket Frankreich Ein richtig kompaktes Frankreich-Buch geschrieben.
00:03:47: Das ist ein wirkliches Taschenbuch, ich habe das gerade noch mal überprüft.
00:03:50: in meine Jeans-Tasche passt es dann tatsächlich rein?
00:03:52: Ist Frankreich so wichtig dass wir einen Nachschlagewerk zu dem Land immer mit uns herum tragen sollten?
00:03:58: Ja ja das kommt drauf an wo sie unterwegs sind vorallem wenn Sie in Frankreich unterwegs sind.
00:04:03: Wenn Sie als Reisender in Frankrijk unterwegs sind und sich schnell informieren wollen über Geschichte über Politik über Kultur über Wirtschaft, dann sollten sie das Pocket Frankreich immer bei sich haben und deswegen passt es eben auch in eine Hosentasche hinein.
00:04:23: Die Idee stammte nicht von mir sondern von der Bundeszentrale für politische Bildung die schon seit einigen Jahren diese Reihe Pocket aufgelegt hat die teilweise sich mit Themen beschäftigt, großen Themen unserer Zeit, Globalisierung etwa.
00:04:41: Aber eben auch mit unseren Nachbarländern oder mit den europäischen Ländern.
00:04:46: und jeweils ein Länderporträt in diesem Taschenformat liefert ihm für einen Kreis von Nesenen wie Dodierende die nach Frankreich gehen oder nach Dänemark, nach Polen oder Touristen oder einfach interessierte Leim prägnante Informationen über ein Land suchen.
00:05:09: Prägnant aktuell und umfassend!
00:05:12: Die präknante Information zeigt sich daran, dass viele Themen ja sozusagen in diesem kleinen Format auf zwei Seiten drei Seiten oder vier Seiten abgehandelt werden.
00:05:23: Der Aufbau ist nach großen Themen.
00:05:26: wir haben einige große Themen und dann sehr charakteristisch für diese Reihe sogenannte Infoboxen in denen dann ein Schlaglicht auf eine bestimmte Person oder ein Thema geworfen wird.
00:05:42: Nun sind das ja gesellschaftliche Themen, kulturelle Themen, wirtschaftliche Themen und politische Themen.
00:05:50: Sie sind Historiker?
00:05:52: Wie wichtig ist es denn um Frankreich zu verstehen diese großen historischen Konfliktlinien zu kennen in Frankreich?
00:06:00: Als Historiker geht man natürlich gerne so vor, dass man immer historisch anfängt.
00:06:05: Bei jedem Thema zunächst einmal ein bisschen in die Geschichte guckt.
00:06:09: Das Buch ist so aufgebaut das wir einen Geschichtskapitel haben, ein recht umfassendes Geschichtskapitel.
00:06:14: aber dann eben bei den einzelnen Themen, die angegangen werden wie das politische System und die Wirtschaft, die Kultur, die Gastronomie, die Mode... Dass ich bei allen Themen etwas historisch vorgehe und zeige Wo kommt Frankreich hier in dieser Hinsicht?
00:06:34: Was die Gastronomie anbelangt, warum ist das in Frankreich so wichtig?
00:06:37: Da muss man natürlich in die Geschichte gucken.
00:06:39: Sonst versteht man es nicht!
00:06:41: Das ist der große Vorteil der historischen Betrachtungsweise, dass man immer aus der Geschichte heraus das Warum erklärt.
00:06:49: Gibt es denn eine historische Erfahrung, die aus ihrer Sicht in diesen Tagen jetzt besonders wichtig ist?
00:06:56: Ich nenne jetzt mal historische Erfahrungen.
00:06:58: Revolutionen, Republik Krieg, Kolonialreich oder eben die Erfindung sozialer Auseinandersetzung
00:07:05: Denke alle.
00:07:06: die Themen, die Sie genannt haben sind derzeit sehr wichtig in Frankreich und werden stark diskutiert.
00:07:13: Sie erwähnten die Kolonisierung und die Dekolonisierung.
00:07:16: das ist in der Tat derzeit ein sehr umstrittenes Thema Ein Thema was auch Frankreich spaltet Die Frage wie sich das Land zu der Kolonialvergangenheit verhalten soll und welche Auswirkungen die Kolonialvergangenheit auf die Einwanderungsgeschichte Frankreichs hat.
00:07:35: Die Einwandlungsgeschichte ist ja ganz eng verbunden mit Frankreichskolonialvergangenheit, da die meisten nach Frankreich eingewanderten aus den ehemaligen Kolonialebieten stammen.
00:07:47: Und insofern diese beiden Fragen Einwänderung, Kolonisierung weltreich ganz eng miteinander verbunden sind.
00:07:56: Sie erwähnten die Republik.
00:07:58: Das ist ja die Grundidee eigentlich des französischen Zusammenlebens, des politischen Zusammenleben.
00:08:04: Und wie soll sich diese Republik in der Zukunft gestalten?
00:08:09: Wie sollen sich die Werte der Republik an der Zukunft einlösen?
00:08:13: Dann die Frage der fünften Republik unseres heutigen französischen politischen Systems welcher Zukunft hat das?
00:08:22: welche Schwächen hat dieses System dass ein weiterer ein weiteres gerade jetzt im Hinblick auf die kommenden Präsidentschaftswahlen wichtiges Thema.
00:08:31: Sie erwähnten soziale Bewegungen, ich habe versucht, sie etwas historisch zu erklären.
00:08:36: Manchreichs ist ja bekannt für seine sozialen Bewegung – die letzte große soziale Bewegung über die sich die Welt gewundert hat waren die Gelbwesten und ich habe versucht sie etwas in eine historische Perspektive zu ziehen.
00:08:51: Sie haben das gerade am Anfang der Antwort gesagt.
00:08:54: Die Bedeutung des Kolonialreiches, die Bedeitung der De-Kolonisierung in Frankreich.
00:09:01: im Mai feiern wir dann ja durchaus auch ein wichtiges Jubiläum, ne?
00:09:05: Fünfundzwanzig Jahre, wenn ich das richtig sehe, am einen zwanzigsten Mai Loatubira damals in Kraft getreten, zwei Tausend Eins wo es darum ging dass Frankreich als erstes Land den Sklavenhandel als Menschenrechtsverbrechen festgestellt hat.
00:09:24: Welche Bedeutung hat das heute noch?
00:09:25: oder welche schlaglich da dieses Gesetz bis heute geworfen?
00:09:31: Ich wurde es einordnen in eine Reihe von Gesetzen, sogenannten Loire Memorial wo Frankreich eben versucht hat die geschichtliche Erinnerung etwas staatlich einzurahmen.
00:09:44: so hat man ja in Frankreich des Holocaust unter Strafe gestellt und verschiedene Menschen sind deswegen auch schon verurteilt worden.
00:09:54: Heute geht es eher um Fragen von Antisemitismus angesichts der Zerwürfnisse in Frankreich im Umfeld des Gaza Kriegs, aber eben auch weiterhin und erneut um die Frage der Kolonisierung ob in dieser Hinsicht auch die geschichtliche Erinnerung staatlich eingerahmt werden solle.
00:10:17: Andererseits ist es natürlich auch umstritten.
00:10:19: Was hat der Staat da zu suchen?
00:10:21: Warum kann das nicht gesellschaftlich oder wissenschaftlich entschieden werden, warum soll die öffentliche Meinungsfreiheit gerade in dieser Hinsicht eingeschränkt werden?
00:10:35: Sie haben das ganz schön beschrieben staatlich eingerahmt und auch ist auch umstritten.
00:10:40: Warum soll sich der Staat einmischen?
00:10:42: wenn man Frankreich verstehen will muss man Das Land stärker als in Deutschland ja vom Staat her denken, also von der Idee dass der Staat nicht nur verwaltet.
00:10:52: Nicht nur den Rahmen setzt sondern Ja die Gesellschaft prägen und formen möchte.
00:10:58: In der Tat das ist ganz richtig Der Staat hat Frankreich hat das heutige Frankreich gemacht Es ist eine Konstruktion des Staates.
00:11:07: Der französische Nationalstaat hat beispielsweise die Landessprache in ganz Frankreich das Französisch durchgesetzt, dass ja noch vor hundertfünfzig Jahren von vielen Menschen überhaupt nicht weder gesprochen noch verstanden wurde.
00:11:28: Also die nationale Einheit, die ja ganz stark auch auf eine gemeinsame Sprache beruht.
00:11:33: Die wurde erst durch den Staat geschaffen.
00:11:37: Insofern haben wir schon in der Monarchie eine ganz besonders weitgreifende Staatsaktivität.
00:11:45: was die Kultur den Kulturbereich anbelangt Wir haben eine weit greifende Statsaktivitäten im Erziehungsbereich und Bildungsbereich müssen wir in der Tat auf den Staat gucken, wenn wir Frankreich verstehen wollen.
00:12:01: Auch ein weiterer Punkt die Erwartungen der Menschen an den Staat sind besonders hoch.
00:12:08: Andererseits wiederum wird man auch sehr schnell auf dem Staat wütend, wenn er diesen Erwartung nicht gerecht wird.
00:12:16: Jetzt haben wir gerade schon mal einen Jubiläum erwähnt in diesem Monat.
00:12:20: Im Mai, im May, ist es um den Sklavenhandel.
00:12:27: Ein anderes Jubilänium sind die Erfahrungen oder Bildung der Volksfront zum neunzigsten Mal.
00:12:38: in Frankreich nämlich eine linke Regierung an die Macht, die bis heute, kann man glaube ich sagen, mythisch aufgeladen ist und die uns vielleicht ein bisschen weiter hilft um die sozialen Konflikte im Land von heute besser zu verstehen.
00:12:50: Warum gehört diese Front populär bis heute zu den großen mythischen Momenten der französischen Linken?
00:12:57: Welche Bedeutung hat sie heute
00:12:58: noch?".
00:12:59: Die sagten bereits es das erste Mal dass in der dritten Republik kommt.
00:13:07: Es gibt zum ersten Mal einen sozialistischen Regierungschef in der Person von Leon Blum, wir müssen die Volksfront einordnen in die damaligen ideologischen Kämpfe der Zeit.
00:13:21: Der Faschismus kommt auf, der Faschwismus hat in Deutschland gewonnen, der Fascismus hat in Österreich gewonnen – in Italien ist er schon längst an der Macht und er wird auch in Frankreich zu einer Bedrohung.
00:13:33: Auch Faschistische liegen auf die Straße und kämpfen offen gegen die Republik.
00:13:41: Und vor diesem Hintergrund kommt es zu dieser großen Sammlungsbewegung des antifaschistsischen Frankreich, das von linken Bürgerlichen im Bisschen zum Kommunismus geht – auch viele gesellschaftliche Bewegungen, Vereinigungen, Künstler, Schriftsteller umfasst.
00:13:59: Also diese breite Koalition des Linken Frankreich gegen den Faschismus das ist zunächst einmal ein großer Aufbruch vor dem Hintergrund dass sich auch die Linke zuvor intern bekämpft hatte.
00:14:14: der Kommunismus war ausgeschlossen von der Republik und wurde von insbesondere den rechten Republikanern Bekämpft.
00:14:24: Also diese neue Solidarisierung der Linken, dann der überzeugende Wahlsieg dieses Linksbündnisses und die ersten Tage der linken Herrschaft unter Leon Blum, die Sozialreformen, die in Gang gesetzt werden, die Reduzierung der Arbeitszeit, Ferien, die Conjé-Payet ein großer Mythos in Frankreich.
00:14:52: Im Sommer neugierig fahre ich zum ersten Mal alle Bürgerinnen und Bürger in den Urlaub fahren.
00:14:59: Die Entschlossenheit mit der diese Regierung daran geht das Land umzugestalten und das Leben der Menschen besser zu machen.
00:15:09: Das ist das Ideal der Volksfront.
00:15:12: Das Leben zu verschönern!
00:15:14: Das Leben zu verschönern, super Stichwort.
00:15:15: Wir sprechen da gleich noch mal über diese sozialen Errungenschaften.
00:15:18: vorher würde ich aber ganz gerne nochmal einen Halbsatz von ihnen aufnehmen wo sie gesagt haben ja die Kommunisten waren ausgeschlossen in dieser bis dahin ausgeschlossenen in dieser dritten Republik.
00:15:28: Aber man muss ja auch sagen dieses dieser Ausschluss gilt dann auch zumindest teilweise in der Volksfront denn im Grunde die Regierung zumindest was die Minister an Belanken bestand nur aus Sozialisten und Radikalen eben keine Minister von den Kommunisten, die hatten nur zugesagt das Kabinett im Parlament zu unterstützen.
00:15:49: Also war es am Ende vielleicht doch nicht so eine breite Vereinigung der Linken.
00:15:52: oder täuscht das?
00:15:53: Es war in jedem Falle eine prekäre Verbindung der linken und man wird dann auch sehen dass die Volksfront nicht lange besteht.
00:16:04: Es kommt dann bald zu Bruchlinien, die sich insbesondere eben zwischen bürgerlicher Und radikaler Linken finden und der Regierungschef Leon Blum sitzt oder setzt sich immer wieder zwischen alle Stühle, weil eben diese Koalition doch sehr breit aufgestellt ist.
00:16:23: Und es dann immer wieder keinen gemeinsamen Nenner zwischen radicaler und bürgerlicher Linken
00:16:30: gibt.".
00:16:31: Wenn wir dieses französische Verständnis von Staat, von Republik uns etwas genauer anschauen.
00:16:37: Sie haben gerade gesagt das Recht auf ein besseres Leben.
00:16:40: also bis zur Volksfront galt Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit und jetzt kommt noch dazu sozusagen Freizeit Kultursport Urlaub Das Recht auf Besseres Leben.
00:16:50: kann man sich das so vorstellen?
00:16:52: Ja ich wurde es aber etwas anders ausdrücken.
00:16:56: Ich würde sagen die Volksfront interpretiert Werte der Republik neu und sie sagt Gleichheit ist nicht nur Gleichheit vor dem Gesetz, es ist nicht Nur Rechtsgleichheit.
00:17:08: Es sind nicht nur gleiche Partizipationschancen sondern es bedeutet auch soziale Gleichheit.
00:17:15: Das bedeutet soziale Umverteilung.
00:17:17: Es bedeutet die Aktivität des Staates um Soziale Gleichkeit umzusetzen.
00:17:25: Auch Brüderlichkeit kann man auch eher als ein sozialen Wert interpretieren, dass der Staat auch dafür zuständig ist Brüderlichkeit unter den Bürgern zu fördern.
00:17:38: Aber ich wurde es eher als eine neue Interpretation der Werte der Republik ansehen.
00:17:44: Und diese Neuinterpretation, wenn man da jetzt neunzig Jahre später drauf schaut auch in den Jahrzehnten eben nach sechsunddreißig hat die sich breit durchgesetzt in allen politischen Strömungen.
00:17:55: Dass man dass die auch die Konservativen das heute ähnlich interpretieren?
00:18:01: Die nächste Etappe, sagen wir mal vorhin werden wir an der Volks von der Volksfront ausgehen und die Staatsaktivität der Volks Front weiter denken ist der nächste Schritt die Befreiungsphase, in der die Widerstandsbewegung an die politische Macht kommt und ihr Programm verwirklicht.
00:18:24: Das gemeinsame Programm der Resistenz, das eine weit greifende Umgestaltung des Staates im Sinne sozialer Gerechtigkeit durchsetzen möchte – etwa die Verstaatlichungen von Schlüsselindustrie, die Verstaatlichung von Versicherungen und Verstaatschung von Banken.
00:18:44: Die Einrichtung eines einheitlichen Gesundheitssystems.
00:18:47: also insofern würde ich sagen die Befreiungszeit denkt die Volksfront weiter und da ist eben wirklich die Linke an der Macht von den Kommunisten über die Sozialisten bis hin zu den Linkskatholiken Unterführung begeholt, der diese letztlich antikapitalistische Leitlinie des gemeinsamen Programms der Resistenz durchaus mitträgt.
00:19:12: Also die Konservativen haben in dieser Periode nicht viel zu sagen.
00:19:16: Die melden sich erst später wieder aber im Moment der Befreiung ist tatsächlich die Linke von den linksbrögerlichen Linkskatholiken bis hin zu den Kommunisten am Ruder und setzt diesen Sozialstaat, den wir bis heute in Frankreich haben um.
00:19:35: Aber dieser Sozialstaate, den Wir bis Heute In Frankreich Haben wird der?
00:19:39: Sehen Sie politische Strömung die diesen Sozial Staat sehr kritisch hinterfragen.
00:19:44: oder hat man nicht doch eine einheitliche politische Sicht jenseits natürlich von konkreten Reformprogrammen und kleineren Reformen darauf was dieser Sozial Staat eigentlich zu leisten hat?
00:19:57: eben Das reicht auf ein besseres Leben.
00:20:00: Der Sozialstaat hat sich natürlich seitdem massiv verändert, teilweise sind Sozialleistungen ausgebaut worden andere sind abgebaut worden erst vielfach diskutiert worden aber die grundsätzliche Überzeugung dass
00:20:16: es
00:20:17: eine Verpflichtung zur Solidarität gibt das der Staat dafür mit zuständig ist und dass eine Grundversorgung in allen wichtigen Lebensbelangen durch staatlich organisierte Institutionen geleistet werden muss.
00:20:34: An diesem Grundkonsens finde ich wird nichts sehr stark
00:20:38: gerüttelt.".
00:20:39: Und wenn man sich die Entscheidungen, die ersten Entscheidungen dieser Volksfront etwas genauer anschaut dann sieht man ja also aus Perspektive der Arbeitnehmer zumindest Verbesserung im Bereich des Arbeitsrechts.
00:20:50: Dann wird die vierzig Stundenwoche neunzehntsechsen dreißig eingeführt.
00:20:53: es gibt diesen gesetzlichen Urlaubsanspruch.
00:20:56: Sie haben das gerade gesagt, die Franzosen können im Sommer neunzigzehnt zum ersten Mal massenhaft wirklich in den bezahlten Urlaub gehen.
00:21:03: Die Regierung beginnt mit Verstaatlichung – auch das gehört dazu!
00:21:07: Die Bonkte-France, die Zentralbank wird verstaatlicht.
00:21:09: und die Eisenbahn.
00:21:11: In der Rüstungsindustrie gibt es auch Verstaatlichungen.
00:21:14: Aber dann trifft die Regierung auf heftigen Widerstand bei der Währungspolitik.
00:21:19: Dann zeigen sich da schon die Risse wie weit man die Volksfront gehen kann.
00:21:25: Die Risse zeigen Sie schon im Sommer, neunzeits sechsunddreißig mit dem großen Streik.
00:21:30: Streiks die nicht von Gewerkschaften organisiert werden, die wild ausbrechen in den Fabriken und dann die Gestalt von Fabrikbesetzungen annehmen.
00:21:42: Die Arbeiter und Arbeiterinnen streiken am Arbeitsort sie eignen sich die Fabrike an sie essen dort sie tanzen dort sie leben dort Sie streiken aus Freude, kann man fast sagen.
00:21:55: Aus Freude darüber, dass die Linke an der Macht ist ohne wirklich konkrete Forderungen, die verhandelbar wären.
00:22:02: und da treten schon die ersten Buchlinien auf.
00:22:05: Was macht man denn mit einer bestreigten Fabrik?
00:22:08: Und was macht der Staat?
00:22:09: Und schließlich irgendwann entschließlich Leon Blum eine Fabrik räumen zu lassen!
00:22:15: Was natürlich dann wiederum bei der Arbeiterbewegung, bei der linken Arbeiter-Bewegung auch Widerstand stößt.
00:22:21: Also die Bruchlinien werden schon sehr früh sichtbar.
00:22:25: Eine weitere Bruch Linie ist der internationale Kontext, der spanische Bürgerkrieg bricht aus.
00:22:33: in Spanien war auch eine Volksfront an der Macht und wurde nicht die internationale Solidarität verlangen dass der Front populaire die Flente populare in spanien unterstützt?
00:22:50: aber andererseits ist die französische Linke, der Antifaschismus auch pacifistisch und gegen ein kriegerisches Eingreifen eingestellt.
00:23:02: Da wiederum muss sich Blumen zwischen alle Stühle setzen.
00:23:06: Einerseits den Antifascismus und andererseits den Pacifismus.
00:23:12: Dieser internationale Kontext ist also sehr schädlich für die Einheit der Volksfront.
00:23:20: wird die Volksfront wütend bekämpft von der Rechten und insbesondere von der radikalen Rechten, von der faschistischen Rechten.
00:23:29: Von der Action Française von Charles Morasse, den Front populaire als eine vom internationalen Judentum eingerichtete Veranstaltung Die Familie.
00:23:41: Ein
00:23:41: rechtsextremer Schriftsteller?
00:23:42: Genau, ein rechtsextremer Schriftschäler der eine Zeitung hatte die Action Française, die stark antisemitisch eingestellt war und deren Verachtung für die Volksfront quasi täglich ausgedruckt wurde.
00:23:59: Es gibt ja sogar nachher wenn wir dann auf Mark Block schauen so gar den Vorwurf dass die Volks Front den Nazis die Arbeit erleichtert hat mit ihrer pacifistischen Grundhaltung, kann man vielleicht etwas kritischer sehen weil tatsächlich glaube ich die Rüstungsanstrengungen auch unter Leon Blum schon begonnen haben.
00:24:19: Aber ich würde vor dieser Frage gerne noch mal klären.
00:24:22: Sie haben gesagt es waren nicht so ganz klar welche Forderungen in den Streik getretenen genau hatten.
00:24:28: Wohin entzündete sich denn dieser Massenstreich?
00:24:31: Warum gingen die Leute dann auf die Straße?
00:24:33: warum besetzten sie diese Fabriken nachdem die Volksfront gebildet wurde?
00:24:38: Das ist in der Tat sehr schwer zu erklären, wie es zu dieser plötzlichen und schnellen Mobilisierung kam.
00:24:45: Wie gesagt niemand hatte dazu aufgerufen.
00:24:47: Es begann in Betrieben wenn ich mich nicht irre der Rüstungsindustrie.
00:24:51: und dann wie ein Lauffeuer verbreitet sich diese Streiks möglicherweise eben aus Freude darüber dass die Linke nun an die Macht kam Der Eindruck, es geht nicht schnell genug.
00:25:05: Man muss weiter Druck machen auf die Regierung, dass es zu noch mehr Reformen kommt und das noch mehr umgesetzt wird.
00:25:12: Das ist der Knackpunkt hier, dass man sich nicht nur schrittweise Reform von der Volksfond erwartet sondern eine grundsätzliche Abkehr von der kapitalistischen Wirtschaftsordnung sogar eine Revolution erwarten.
00:25:30: was Blumen dabei ist umzusetzen.
00:25:32: Er reformiert, er revolutioniert
00:25:34: nicht.".
00:25:35: Die Volksfront war ja am Ende nicht nur ein Aufbruch für die linke Seite oder das linke Spektrum in der französischen Gesellschaft sondern auf der anderen Seite natürlich auch einen Schock für die Konservativen und für das rechte Spektrum.
00:25:48: Ich habe ihn gerade schon mal erwähnt aber der Historiker Marc Block schreibt später sinngemäß Ich habe sich eine tiefe Kluft durch die französische Gesellschaft gezogen.
00:25:58: Was löste denn dieser Leon Blumen, dieser erster Linke Ministerpräsident bei den Konservativen und wohlhabenden Milieus genau aus?
00:26:07: Welche Befürchtungen?
00:26:09: Die Befürchung war das letztlich mit der Volksfront der Kommunismus an die Macht kommt und damit eine grundsätzliche Umgestaltung im Sinne des Sowjet-Systems in Gang gesetzt wird.
00:26:24: Der Kommunismus war schon seit der Spaltung der Arbeiterbewegung, seit der Gründung der französischen kommunistischen Partei das Feindbild der bürgerlichen Rechten und man sah mit der Volksfront den Kommunismus an die Macht kommen und auch man fürchtete dass Frankreich in einen Krieg gegen Hitler Deutschland mit hineinziehen würde.
00:26:58: Insofern hat sich dann eine rechtspazifistische Strömung dafür engagiert, sich mit Hitler zu arrangieren um eben zu verhindern dass der Stalinismus in Frankreich und der Sowjetunion Frankreich in einen Krieg hineinzieht.
00:27:21: Lieber Hitler als Leon Blum ist ein Schlagwort dieser Zeit, das man sich also besser an einer Verständigung mit Hitler orientiert als das Risiko einzugehen von Blumen und seinen Alliierten in einen Krieg hineingezogen zu werden.
00:27:40: Und natürlich die Angst vor dem Verlust Das Eigentums, das ist eine ganz virulente Angst bei dem Burgertum.
00:27:51: Dass sich von den Reformen Leon Blombs bedroht sieht.
00:27:56: Aber treffen sie dann nicht beide Extreme mit der Forderung?
00:28:01: Weil auf der extrem linken Seite gab es ja auch den Pazifismus.
00:28:04: Pazipismus plus Antifaschismus und diese beiden ideale fangen an miteinander zu konkurrieren!
00:28:13: Das ist das Dilemma der Frage der Intervention oder Nichtintervention in den spanischen Bürgerkrieg.
00:28:22: Er hat zwei ideale Pazifismus und Antifaschismus, die immer unvereinbarer miteinander werden.
00:28:29: Und wenn wir weiter blicken?
00:28:31: Also nicht nur... Auf den südlichen Nachbarn Spanien, sondern auf den östlichen Nachbahnen das deutsche Reich unter Hitler.
00:28:40: Wie sieht es da aus?
00:28:42: Leon Blum, Sie erwähnten es ja schon vorher, wollte aufrüsten und er hat auch damit begonnen, aufzurüsten.
00:28:50: Auch damit wiederum stieß er auf Widerspruch in seiner eigenen Koalition.
00:28:55: Er gab Geld aus für Kanonen anstatt, für Brot.
00:29:00: Er sollte eigentlich den Arbeitern Brot geben und ein besseres Leben ergibt das Geld für Kanonen aus.
00:29:09: Also wiederum zeigt sich hier eine Spaltung innerhalb seiner eigenen
00:29:13: Korrelation.".
00:29:14: Das heißt Leon Bloom war – es gibt ja diese schöne deutsche Wortstaatstragend aus heutiger Perspektive extrem staatstragend und weniger ideologisch.
00:29:26: Er war ein Reformer, ein genuiner Reformer.
00:29:29: aber er hatte eben in seiner Koalition zu tun einerseits mit Bürgerlichen die den Reformen auch zu weit gehen konnten und andererseits eben mit Radikalen den seine Reform nicht weit genug gingen.
00:29:45: Ein Patriot auf jeden Fall, Staatstragend.
00:29:48: Ein Republikaner der aus einem kompromissbereiten Sozialismus kam und als solcher Versuchte zu regieren.
00:29:59: Es kam ja nach neunzehnträißig noch einige Male zu dem Versuch die Linke zu vereinen jetzt zuletzt auch tatsächlich unter dem Namen aufgetreten Nupes also neue Volksfront.
00:30:14: wo Sehen Sie da Parallelen?
00:30:16: und wo enden die Parallel?
00:30:19: Der Tat gab es bei der Wahl, den Versuch, den Mythos der Volksfront wiederzubeleben und eine neue Volksfront zu gründen.
00:30:31: Die Parallele kann man darin sehen dass die Linke weiterhin oder erneut wiederum sehr viel gestaltig, sehr heterogen ist und es noch viele Widersprüche hier zu überbrücken gilt.
00:30:45: Und die Widersprüche liegen insbesondere zwischen der Franz Asoumise, dem unbeugsamen Frankreich angeführt von Jean-Luc Mélenchon den Sozialisten andererseits.
00:30:58: Hier haben wir Bruchlinien, insbesondere über die internationale Orientierung, die Haltung zur europäischen Einigung Die Haltung zu internationalen Mächten wie Russland, China und die Vereinigten Staaten zur NATO.
00:31:13: Hier gibt es auch schwere Bruchlinien zwischen diesen Flügeln, die kaum zu überbrücken sind.
00:31:20: Insofern hat sich auch die New Pes die neue Volksfront als nicht dauerhaft erwiesen
00:31:34: Sind die Bruchlinien aus ihrer Sicht heute größer, die Hindernisse heute größere als neunzigzehnt.
00:31:42: Das wurde ich nicht wagen zu sagen.
00:31:45: in der Tat könnte es möglich sein dass wieder angesichts einer großen Bedrohung etwa angesichts Eines zweiten Wahlgangs, in dem ein Vertreter oder eine Vertretherin des Rassemblements National steht sich diese Linke wieder vereinigt trotz ihrer Heterogonität.
00:32:07: Ich würde nicht sagen dass die Linke heute heterogener ist als damals.
00:32:12: Die Bruchlinien zwischen vierundzwanzig, zweitausendvierundzwandzig und sechsundzwantzig sind größer geworden insbesondere durch die Person Mélenchance Insbesondere durch seine Rhetorik, seine konfrontative Rhetorie die es den gemäßigten Kräften der Linken immer schwieriger macht mit ihm und seinen Anhängern zu koalieren.
00:32:37: Wie groß ist das Hindernis, sage ich jetzt mal Antisemitismus?
00:32:42: Antisemitism war ja auch bei der Volksfront als Vorwurf zumindest ein Problem vor neunzig Jahren.
00:32:48: Das
00:32:48: Antisemitismus-Thema heute ist ein anderes.
00:32:51: Die Strategie von Mélenchon ist es, dass die Wälderschaft der Bonneuse, also die Menschen insbesondere Nordafrikanischer Abstammung, die derzeit politisch nicht sehr aktiv sind und nicht sehr beteiligt sind, die zu mobilisieren.
00:33:09: Und er hat versucht ihm auch über das Thema des Gaza Kriegs zu mobilizieren Nicht gescheut, stark Israel feindliche Äußerungen zu tätigen und teilweise eben auch äußerung die als antisemitisch ausgelegt werden können.
00:33:25: Das ist in der Tat ein ganz großes Hindernis für die gemäßigte Linke mit Menonchon und seinen Anhängern zusammenzuarbeiten.
00:33:35: Ich würde gerne nochmal darauf schauen wie sehr die soziale Emanzipation Wie groß die eigentlich gedacht war, neunzehnt sechsen dreißig?
00:33:45: Hat man damals schon auch das französische Kondonialreich mitgedacht oder war das nun ein besseres Leben was nur für die Franzosen in der Metropole galt.
00:33:54: Zuallererst galt es für die Franzosen in den Metropolen aber auch hat sich die Volksfront daran gemacht dass Kononial Reich zu reformieren.
00:34:04: Es gab in der Tat einen recht großes Reformvorhaben des Kolonialreichs, das von der Volksfront ausgearbeitet wurde.
00:34:12: Aber das angesichts der kurzen Dauer, der kurze Machtausübung der Volksfond keine Umsetzung fand.
00:34:23: Dieses Blumenviolett-Projekt?
00:34:25: Genau!
00:34:27: Da ging es um eine kleine muslimische Elite in Algerien mehr Rechte gegeben werden sollten.
00:34:33: Beispielsweise hätte man die französische Staatsbürgerecht signifikant ausgeweitet auf Menschen arabisch-muslimischen Hintergrunds in Algerien.
00:34:45: Jetzt haben wir zwei Jubiläen schon mal thematisiert, ich würde ganz gerne noch ein drittes Jubilium in diesem Jahr nicht in diesem Monat dazu packen und das ist der Name Aristide Brion vor.
00:34:58: in den letzten Jahren, im Jahr neunzehnhundert sechsundzwanzig bekamen er und Gustav Stresemann den Friedensnobelpreis.
00:35:07: Breon steht für Verständigung mit Deutschland.
00:35:10: Für den Vertrag von Locano haben wir auch eine Folge drüber gemacht.
00:35:13: Ja, für den Friedensobelpreis eben für eine frühe Idee europäischer Zusammenarbeit kann man sagen.
00:35:19: Wie würden sie in dem Jubiläumsjahr auf Breon blicken?
00:35:23: War er ein Visionär oder eher ein pragmatischer Politiker der wusste das Frankreich Sicherheit nicht dauerhaft gegen Deutschland organisieren kann?
00:35:33: Er hat die Grundfrage, vor der sich Frankreich nach dem ersten Weltkrieg gestellt sah.
00:35:41: Die Grundfrage wie erzielen wir Sicherheit gegenüber Deutschland?
00:35:45: diese Grundfrage hat er auf eine Verständigungspolitik hingedeutet.
00:35:51: man kann sagen es gibt grob gesagt nach Die eine möchte Deutschland möglichst klein halten und sehen, dass Deutschland rigoros alle Forderungen, alle Verpflichtungen des Versailler Vertrags erfüllt.
00:36:07: Und für diese Strömung steht Poincaré.
00:36:10: Für die Strömungsverständigung steht Aristide-Briand.
00:36:15: Ganz wichtig hier ist der Völkerbund.
00:36:19: Der Völkerband als die Institution die nach.
00:36:25: Die Frins Sicherung garantieren sollte über das Prinzip der kollektiven Sicherheit, der Arbitrage also der friedlichen Konfliktschlichtung.
00:36:37: Das ist das überwölbende Prinzip der brianischen Außenpolitik Friedliche Konflikt schlichtung durch den Völkerbund und unter diesem Dach gestaltet er die deutsch-französischen Beziehungen nach.
00:36:54: Also insofern ein Mensch mit einem überwölbenden Friedenskonzept wohnt auf Gewaltverzicht, friedlicher Konfliktschlichtung, kollektiver Sicherheit und mit einem Überwölbenen Friedenskonzept das er anwendet auf die Deutsch- französische Beziehung.
00:37:13: Insofern jemand der durchaus als ein Vordenker gesehen werden kann, für das was dann schließlich nach nineteenhundertviertzig eingelöst wird.
00:37:24: Wo ja wiederum diese beiden Visionen auftreten entweder Deutschland zerstöckeln klein halten.
00:37:31: Das möchte Dogol zunächst Deutschland in kleine verschiedene Kleinstaaten auflösen um damit sicherzustellen dass dieser bedrohliche Nachbar nie wieder groß wird und andererseits Die Richtung, die dann glücklicherweise ja umgesetzt wird vorgetragen von Robert Schumann und Jean Monnet.
00:37:52: Dass in die deutsch-französischen Beziehungen auf grundsätzlich neue Säulen gestellt werden müssen.
00:38:00: Insofern greift diese Richtung deutlich zurück auf das was Brion schon in der Zwischenkriegszeit gewollt hatte.
00:38:08: Aber es ging Brion nicht um eine Überwindung des Nationalstaats?
00:38:13: Nein Das ging ihm nicht um eine Überwindung des Nationalstaats.
00:38:18: Es ist eine andere Frage, ob es tatsächlich Robert Schumann um die Überwindungen eines Nationalstaates ging.
00:38:25: Vielleicht ging es Jean Monnet darum?
00:38:27: Zumindest war das Ziel Monnets und Schumans ein europäische Föderation.
00:38:36: Auch ein Begriff der für Breon recht attraktiv war.
00:38:39: aber Da muss man natürlich sehen, was man damit meint.
00:38:42: Was heißt eine europäische Föderation?
00:38:44: Wie weit geht man dann damit, Souveränitätsrechte
00:38:48: abzugeben?".
00:38:49: Ja, sehen Sie da eine Entwicklung.
00:38:51: das also wenn wir auch in die Gegenwart schauen.
00:38:53: es wird ja den französischen Regierung und franzöischen Präsidenten auch gerne vorgeworfen dass sie Europa halt nur als Vehikel nutzen, um die französischen Interessen durchzusetzen.
00:39:05: Sehen Sie?
00:39:06: Eine Entwicklung geht zwar mal auf die hundert Jahre von Brian bis heute schaut wie stark man in Paris bereit ist auf eigene Souveränität zu verzichten.
00:39:16: Die Deutschen sind da ja immer zumindest in der Theorie sehr weitgehend würden sich am liebsten wenn ich es mal sehr sehr zuspitze würde am Liebsten ihren Nationalstaat in einem europäischen Föderationen aufgehen lassen.
00:39:28: für Frankreich kommt das Ja
00:39:31: Nein, ich weiß auch nicht inwiefern das für die Bundesrepublik infrage käme.
00:39:35: Die letzte Koalition hatte ja tatsächlich die Schaffung eines föderalen europäischen Bundesstaats im Koalitionsvertrag.
00:39:44: Man hat letztlich aber keine konkreten Schritte gesehen darauf hinzuwirken.
00:39:49: und andererseits kann man sagen dass Deutschland auch sehr entschlossen seine nationalen Interessen in Europa vertreten kann, wenn es etwa im Fragen wie die gemeinsame Verschuldung geht.
00:40:00: Was derzeit diskutiert wird in Europa, da geht es ja nur wenig darum Souveränitätsrechte abzugeben.
00:40:08: Es geht darum dass wir gemeinsam mehr machen, dass wir uns gemeinsam mehr für Verteidigung mobilisieren, gemeinsam mehr ausgeben und gemeinsam mehr beschaffen.
00:40:19: aber nicht das wir unsere Souveränitätsrechte, was etwa unsere Strategie der unsere Militärstrategie das wir da mit Souveranitätsrecht abgeben.
00:40:32: Es geht im Grunde genommen darum Europa zu stärken auf dem was wir schon haben und was die Verträge derzeit sagen.
00:40:40: es gibt eine Diskussion darüber ob man mehr Mehrheitsentscheidungen einführt aber dass sehe ich jetzt nicht als ein grundsätzlichen Verzicht von Souveräenitätsrächten an.
00:40:52: Naja, es gibt ja schon die Diskussion.
00:40:53: Sie ist natürlich noch sehr theoretisch innerhalb von einzelnen Personen bei ThinkTanks einzeln Politikern vielleicht.
00:41:00: aber man kann natürlich auch die Diskussionen über eine europäische Atomwaffe oder einer Forsterfrappe, die den Europäen stärker zugute kommt, die Diskussions über eine Europäische Armee das Wiederaufrufen des Themas Europäischer Verteidigungsgemeinschaft jetzt im Zuge der Krise mit den Amerikaner kann man ja schon auch in diese Richtung durchaus interpretieren, dass hier im Hintergrund irgendwo doch das Thema Souveränität abgeben eine Rolle spielt.
00:41:28: Andererseits die Einsicht, dass wir nur noch souverän sein können wenn wir gemeinsam Souveranitätsrechte ausüben.
00:41:36: Ich denke, das ist ein Einsicht der sich immer mehr in Europa breit macht, egal ob von Frankreich Deutschland oder der Slowakei oder Malta-Rehen einfach zu klein sind, um noch wirklich alleine Souverän in Europa zu sein.
00:41:55: Und so ist eigentlich auch diese Idee der europäischen Souveranität die ja von Macron vorgetragen wurde, zu verstehen dass wir in der Summe von sieben zwanzig Mitgliedsländern nur Souveräen sein können
00:42:10: Wenn wir dieser drei Jubilänen Uns anschauen Volksfront, Stresemann, eine hundert Jahre Friedensnobelpreis.
00:42:19: Luaturbira ist da vielleicht ein bisschen als kleineres Ereignis zu sehen.
00:42:26: Aber sie als Historiker haben ja auch den Blick auf die Fachveröffentlichungen.
00:42:32: Ist das eigentlich und in Frankreich werden diese Jubiläne gerne zum Anlass genommen um dann wieder neue Bücher?
00:42:38: auf den Markt zu bringen, neue Interpretationen zu versuchen auch von historischer Seite.
00:42:43: Ist es bei diesen Themen auch der Fall?
00:42:46: Ist neunzig Jahre Volksfront ist das ein Thema was die französischen Historikerinnen und Historiker elektrisiert oder wird das ignoriert?
00:42:56: Da habe ich jetzt bislang noch nicht so viel festgestellt zum Jubiläum der Volksfront.
00:43:05: Es könnte sein dass das halt etwas vergessen wird.
00:43:08: Könnte man denn sogar auch Parallelen ziehen?
00:43:12: So nach dem Motto, hier gab es einen Versuch einer Reaktion auf das Erstarken des rechten Randes.
00:43:18: Das politischen Spektrums.
00:43:19: Die die Parallelen liegen ja durchaus mal so auf der Hand.
00:43:22: wir haben Frankreich in der Weltwirtschaftskrise.
00:43:24: Frankreich ist später in die Weltwirtschaftskrise gekommen als oder hat die Auswirkungen der Welt Wirtschaftskrise später zu spüren bekommen als Deutschland war ja auch viel weniger industriell geprägt unter anderem.
00:43:36: Dann dieser Aufstieg der Rechten, das und dann als Reaktion.
00:43:41: eine vereinigte Linke könnte man durchaus ja parallel in die Gegenwart übernehmen.
00:43:47: Ich denke auch ist es durchaus als Argument für die neue Volksfront damals vorgetragen wurde, im Jahr zwanzig als ja tatsächlich eine parlamentarische Mehrheit des Rassemblements national greifbar nahe war.
00:44:02: sofern hat man sicherlich diese parallel auch wenn der das rassemblement national sicherlich keine faschistische partei ist aber im eine partei der extremen rechten.
00:44:13: jetzt würde ich ganz zum schluss noch ein weiteres dem an ihrem buch ansprechen noch mit zwei drei fragen und zwar Ich kann mich jetzt nicht mehr genau daran erinnern, wie das Kapitel genau heißt.
00:44:24: Aber Made in France glaube ich als Dauerwirtschaftskrise.
00:44:28: Also sie sprechen im Grunde über Frankreich auch als Land dass immer wieder dauernd wirtschaftliche Krisenerfahrungen macht.
00:44:35: Kann man also von einer Art Dauer-Wirtschaftskrise sprechen?
00:44:38: Jetzt nicht im statistischen Sinne permanenter Rezession vielleicht aber als gesellschaftliches Grundgefühl.
00:44:45: Man liest ja auch in den französischen Medien seit dem Jahr zwölfundzwanzig war das letzte Mal, dass Frankreich einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen konnte.
00:44:56: Als Indikator einer dauerhaften Wirtschaftskrise könnte man etwa die Arbeitslosigkeit nehmen.
00:45:02: Da ist Frankreich in der Tat gegenüber einigen seiner Nachbarländern eine Ausnahme.
00:45:07: In den letzten Jahren, seit der Macron-Präsidentschaft, ist die Arbeitslosigkeit deutlich untergegangen.
00:45:12: Unter acht Prozent gegangen.
00:45:15: aber unter sieben Prozent ist sie, wenn ich mich nicht täusche in den letzten dreißigvierzig Jahren nicht mehr gewesen.
00:45:23: Das heißt es gibt einen Sockel von Arbeitslosigkeit der einfach durch alle möglichen politischen Rezepte nicht wegzukriegen ist und das führt natürlich vor allen Dingen zu einer Krisenwahrnehmung eines dauerhaften Krisenbewusstseins.
00:45:39: Und dann haben sie das Phänomen des Outsourcings, der Deindustrialisierung, dass gewisse Landstriche ihre industrielle Struktur verlieren und damit immer mehr Menschen Arbeit verlieren ein Prozess, der sich jetzt etwas verlangsamt hat aber der weiterhin da ist.
00:45:57: also es sind vor allen Dingen gewisse Indikatoren die für eine Dauercrisis sprechen.
00:46:02: natürlich gibt es ganz hervorragende französische Unternehmen und Französischen Unternehmen die ganz tief in den Weltmarkt eingebunden sind, die von der Globalisierung großartig profitieren.
00:46:17: Aber andererseits gibt es diese Krisenwahrnehmung wohnt einerseits auf der Arbeitslosigkeit und andererseits eben darauf dass manche Landstriche ihre Industrielle Struktur verlieren.
00:46:35: Ist diese Krisenwahrnehmung, haben Sie den Eindruck die ist ausgeprägter als in Deutschland oder vergleichbar?
00:46:43: Sie ist auf jeden Fall viel viel älter in Frankreich.
00:46:47: ich wurde mal sagen sie es da seit den neunzehntachziger Jahren.
00:46:52: Deutschland gab es Phasen des Aufschwungs Es gab Phasend der Vollbeschäftigung.
00:46:57: Derzeit gibt es ein wachsendes Krisenbewusstsein Aber es ist sozusagen ein Grundton in der französischen Öffentlichkeit.
00:47:07: Deshalb im Made-in-France, in der permanenten Krise weil es eine Grundwahrnehmung ist unserer Wirtschaft müsste es eigentlich besser gehen um die Menschen zufriedenzustellen.
00:47:23: Und gibt es da in dieser Zeit in den letzten fünfzig Jahren Eine Phase, wo es trotzdem Optimismus gab.
00:47:30: Wo Optimismus greifbar war?
00:47:31: War das vielleicht zumindest auf der linken Seite des politischen Spektrums?
00:47:36: dann die Wahl von François Mitterrand und dieser Versuch doch eine sehr radikale Politik in den ersten zwei Jahren umzusetzen?
00:47:44: Das war in der Tat eine Phase der großen Hoffnung aber auch sehr kurz danach kam schnell eine Karterstimmung auf, wurde sichtbar, dass man so nicht weitermachen konnte und auf eine Austeritätspolitik einschwenken musste.
00:48:04: Ein anderer Moment wo Frankreich tatsächlich unter einer sozialistischen Regierung die damaligen wirtschaftlichen Probleme gut in den Griff bekommen hat war die Gouche Pluriel also die vielfältige Linke unter Lionel Jospin.
00:48:20: Das war eine Phase wo tatsächlich die Arbeitslosigkeit deutlich runter ging.
00:48:24: Jetzt haben Sie gerade Lionel Jospin erwähnt.
00:48:26: Lionel ist vor wenigen Tagen gestorben, welche Bedeutung hat dieser sozialistische Politiker wenn sie sagen das war die letzte Regierung die noch in der Gesellschaft durchaus Hoffnungen geweckt hat?
00:48:39: Der Tat eine sehr gespaltene Erinnerung an Lionel Jospin.
00:48:44: einerseits eine erfolgreiche Linksregierung.
00:48:53: eine erfolgreiche Links-Regierung, die tatsächlich den Arbeitsmarkt verbessert hat.
00:48:59: Die fünfdreißigstundenwoche umgesetzt hat, Frankreich für den Euro vorbereitet hat.
00:49:05: Sofern sehr erfolgreich.
00:49:06: und dann das grandiose, das schreckliche Scheitern durchs Pans zwei tausendzwei bei der Präsidentschaftswahl wo es nicht geschafft hat die Linke in den zweiten Wahlgang zu bringen sondern Jean-Marie Le Pen dann gegen Jacques Chirac antrat.
00:49:21: Also eine große Karriere, die tragisch scheiterte, zwei
00:49:25: Tausendzwei.".
00:49:30: Folge onehundertdrei von Franco-Fiel mit dem Historiker Matthias Wächter – wissenschaftliche Begleitung Lundry Charrier.
00:49:37: Der Dank für Förderung und Unterstützung geht an die Gustave Stresemann Stiftung und den deutsch-französischen Bürgerfonds.
00:49:43: Am Mikrofon war Andreas Noll.