Franko-viel - Der Frankreich-Podcast

#104 - Von Piaf bis Aya Nakamura: Was Chansons über Frankreich erzählen

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In dieser Folge:

  • Warum französische Musik in Deutschland oft unterschätzt wird
  • Was ein Chanson eigentlich ist – und warum die Grenzen zu Pop, Rap und Schlager fließend sind
  • Édith Piaf und „La Vie en Rose“ als Mythos des französischen Chansons
  • Jacques Brel und die emotionale Kraft von „Ne me quitte pas“
  • Boris Vian: „Le Déserteur“ als pazifistische Provokation
  • Barbara und „Göttingen“ als Lied der deutsch-französischen Annäherung
  • Jean-Jacques Goldman: Frankreichs Megastar, den in Deutschland kaum jemand kennt
  • Aya Nakamura, Angèle und die Gegenwart des französischen Chansons
  • Warum Chansons in Frankreich oft Gedichte, Chroniken und politische Kommentare zugleich sind

Gast: Christoph Sator, Journalist und Buchautor

Buch: La Vie en Rose. Frankreich in einhundert Chansons, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Wissenschaftliche Begleitung: Landry Charrier

Diese Podcast-Ausgabe ist mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds und der Gustav-Stresemann-Stiftung in Bonn entstanden.

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Host: Andreas Noll


Kommentare

by HeSt on
Sehr spannend, die Sendung gibt einen guten Einblick ins Chanson, das ich seit meinem Französisch-Studium in den 80er-Jahren in Frankreich sehr liebe, vor allem auch die Kraft vieler Texte und das Verschmelzen der Worte mit der Musik. Als ich in Frankreich war, hatten die französischen Sänger durchaus auch ein politisches Engagement und Gewicht, diskutierten mit Politikern über die Gesellschaft. Zu Goldman ist noch zu sagen, dass er zuerst von der linken Intelligenzia verhöhnt wurde, weil Erfolg und Qualität in deren Augen nicht zusammenpassten und sie ihn für eine Eintagsfliege hielten, was sich dann als völlig falsch herausstellte. Er modernisierte das französische Chanson, befreite es vom Kitsch und hatte durchaus weltweit großen Erfolg, vor allem auch als Komponist mit den Alben, die er für Céline Dion schrieb und produzierte. Das Album „D’eux“, in den USA bekannt unter „The French Album“, ist bis heute mit über 10 Millionen das weltweit meistverkaufte französische Album aller Zeiten und gilt als ihr bestes und tiefgründigstes. Das zweitbestverkaufte ist ebenfalls ein Goldman-Album: „S’il suffisait d’aimer“, ebenfalls für Céline Dion. Goldman brachte Céline Dion, damals noch relativ unbekannt, im Studio bei, anders zu singen, mit mehr Gefühl und Authentizität, was ihr erst zum großen Durchbruch verhalf. Für die Beteiligung an ihrem Album „Falling into You“ erhielt er einen Grammy. Goldman trat auch in den 80ern und 90ern durchaus vor großem Publikum weltweit auf, unter anderem in Seoul, Hanoi, Bangkok, Phnom Penh, New York, Montreal und sehr oft in verschiedenen afrikanischen Staaten. In Madagaskar versuchten 1988 über 25.000 Leute vergeblich, ins bereits volle Konzertstadion zu gelangen, sodass es zu einer Massenpanik kam und die Musiker evakuiert werden mussten. Aber da bei Goldman das Zusammenklingen von Musik und Worten extrem wichtig war, kennen ihn im deutschsprachigen Raum leider nur Französischsprechende, und beim Übersetzen der Texte geht die Poesie und Bildhaftigkeit seiner Sprache verloren. Mir gefällt besonders „Puisque tu pars“. Ganz verschwunden von der Bildfläche ist er nie. Bis 2016 trat er jährlich öffentlich mit „Les Enfoirés“ auf, als deren Patron und musikalischer Leiter. Er komponierte Chansons für die jüngere Generation, etwa für Zaz und Patrick Fiori, sowie 2016 einen weiteren Hit für Céline Dion: „Encore un soir“, zum Abschied von ihrem sterbenden Mann und zu ihrem Comeback 2026.

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Über diesen Podcast

Unsere Großeltern wollten noch leben wie Gott in Frankreich. Heute aber verliert der Mythos Frankreich an Glanz: Immer weniger Schüler lernen Französisch, und auch politisch wirkt das deutsch-französische Tandem müde. Dabei bleibt klar: Ohne Frankreich geht in Europa nichts – weder in Politik noch in Wirtschaft oder Kultur. Der Frankreich-Podcast fragt nach, was geblieben ist vom alten Mythos – und was Frankreich heute wirklich bewegt. Für alle, die verstehen wollen, wie unser Nachbar tickt.

von und mit Andreas Noll

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