#106 - Marc Bloch - Wem gehört ein französischer Held?
(Coverfoto: Imago)
Marc Bloch revolutionierte gemeinsam mit der Annales-Schule die Geschichtswissenschaft. Er interessierte sich nicht nur für Herrscher, Kriege und staatliche Institutionen, sondern auch für Gesellschaften, Mentalitäten und den Alltag der Menschen. Zugleich setzte er sich intensiv mit der deutschen Geschichtswissenschaft auseinander, studierte in Berlin und Leipzig und kämpfte später in zwei Weltkriegen gegen Deutschland.
Nach der französischen Niederlage von 1940 analysierte Bloch in seinem Buch L’Étrange Défaite das Versagen der Armee und der politischen und gesellschaftlichen Eliten. Obwohl ihn das Vichy-Regime als Juden entrechtete und ausgrenzte, schloss er sich der Résistance an. Im Juni 1944 wurde er von der Gestapo erschossen.
Im Gespräch geht es um:
- die Inszenierung der Pantheonisierung und die Kritik an ihrer Übertheatralisierung
- das Panthéon als nationale Ruhmeshalle und politische Bühne
- Emmanuel Macrons aktive Erinnerungspolitik
- Marc Bloch als jüdischen Franzosen und Patrioten
- seine Rolle in der Résistance
- die Revolution der Geschichtswissenschaft durch Vergleich, Interdisziplinarität und Sozialgeschichte
- Blochs wissenschaftliches Verhältnis zu Deutschland
- sein Buch L’Étrange Défaite und die Kritik am Versagen der Eliten
- die Aktualisierung Marc Blochs in heutigen Debatten über Fake News und politische Krisen
- den Streit um eine Vereinnahmung durch Macron und den Rassemblement National
- die Frage, wie Marc Blochs Werk lebendig bleiben kann, ohne im Panthéon zu erstarren
Gesprächspartner: Prof. Dr. Klaus Oschema, Direktor des Deutschen Historischen Instituts Paris
Wissenschaftliche Begleitung: Landry Charrier
Diese Podcast-Ausgabe ist mit freundlicher Unterstützung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds und der Gustav-Stresemann-Stiftung in Bonn entstanden.
Host: Andreas Noll
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