00:00:00:
00:00:23: An diesem Tag werden die Völker aufatmen können.
00:00:26: Sie werden sich freuen!
00:00:28: Aristide Briand, französischer Außenminister, Drei Jahre zuvor will Brion genau diesen Frieden per Handschlag besiegeln mit dem deutschen Außenminister Gustav Stresemann, bei einem geheimen Mittagessen in einem kleinen Grenzdorf.
00:00:56: Es hätte ein großer Deal zwischen Berlin und Paris werden können.
00:01:00: Folge-Einhundertel von Franco Fiel über das verpasste Wunder von Tuari.
00:01:05: Mein Name ist Andreas Noll Rückblende, September nineteenhundertsechsundzwanzig.
00:01:21: Deutschland ist gerade frisch in den Völkerbund aufgenommen – die offizielle Rückkehr des Weltkriegsverlierers auf die Weltbühne.
00:01:28: Dabei trennen beide Länder Gräben, die eigentlich unüberwindbar erscheinen.
00:01:33: Vor acht Jahren lag Frankreichs Jugend tot in den schützten Gräbern von Wertern.
00:01:38: Vor drei Jahren eskalierte die Ruhebesetzung.
00:01:41: Die Hyperinflation ruinierte Deutschland.
00:01:43: der Versaillervertrag brammte wie eine offene Wunde.
00:01:47: Frankreich fürchtet die deutsche Revanche, Deutschland hasst die Besatzer.
00:01:52: Und genau aus dieser Feindschaft heraus setzten sich am siebzehnten September zwei Männer heimlich in Bewegung.
00:01:58: Sie fahren von Genf nach Tuari – ein verschlafenes französisches Grenzdorf – am Fuß des Jura.
00:02:04: Kein Presse-Tross, keine Protokollabteilungen!
00:02:08: Nur Stresemann, Briand und ein Dolmetscher im Dorfgasthof Hotel Ligé.
00:02:13: Was sie dort besprechen, klingt radikal.
00:02:16: Frankreich zieht vorzeitig aus dem Rheinland ab – gibt das Saarland zurück und Deutschland zahlt im Gegenzug viel Geld!
00:02:23: Wie konnten zwei Erzfeinde so schnell an diesen Verhandlungstisch gelangen?
00:02:26: Wie nah waren Sie dem Durchbruch?
00:02:28: Und woran ist der historische Deal letztlich
00:02:31: zerschellt?".
00:02:32: Darüber spreche ich heute mit Rainer Markowitz Professor für Deutschlands Studien an der Universität Lodringen und Experte für die deutsch-französischen Beziehungen.
00:02:42: Wenn wir uns diesen siebzehnten September nineteenhundert sechsundzwanzig in Tuarie vorstellen, Stresemann und Breon treffen sich praktisch unter vier Augen.
00:02:53: Wie außergewöhnlich war allein dieses Treffen damals?
00:03:02: dessen, was man Verständigungspolitik nennt.
00:03:05: Ein Prozess der begonnen hat spätestens in den Verträgen von Locarno, in dem Deutschland
00:03:14: freiwillig –
00:03:16: nachdem es gezwungenermaßen schon im Versaillervertrag
00:03:19: gemacht hat
00:03:20: seine Westgrenzen, also gegenüber Frankreich und gegenüber Belgien, anerkannt hat.
00:03:26: Und eigentlich konnte man noch ein wenig weiter vorgreifen.
00:03:31: In den Jahren die Riesemann-Württwächskanzler und Außenminister in einer Zeit eines starken deutsch-französischen Gegensatzes, nämlich im Kontext
00:03:43: des Ruhrkampfes,
00:03:44: Besetzung des Ruhergebiets durch französische Truppen.
00:03:49: Anfang des Jahres.
00:03:50: und dann zunächst mal der passive Widerstand, der ruinös für die deutsche Wirtschaft
00:03:56: ist.
00:03:56: Der zu
00:03:57: innenpolitische Instabilität
00:04:00: sogar
00:04:00: dem Zerfall, dem drohenden Zerfall des deutschen Reiches führt.
00:04:04: Und dann wird
00:04:05: Gustav Stresemann
00:04:07: Reichskanzler und Außenminister.
00:04:09: Und er macht
00:04:10: etwas,
00:04:11: was man ihm eigentlich überhaupt nicht zugetraut
00:04:15: hätte
00:04:15: aufgrund seiner vorherigen Entwicklung, politischen Entwicklungen, seinen bisherigen politischen Überzeugungen.
00:04:22: Er hat den Mut als einziger deutscher Politiker in der Zeit gegen erhebliche Widerstände im eigenen Land, den passiven Widerstand einzustellen und
00:04:34: zu versuchen
00:04:35: mit Frankreich zu einer Einigung zu kommen.
00:04:39: Und eigentlich beginnt da mit diesem Ansatz
00:04:42: also
00:04:43: das man anerkennt.
00:04:45: wir können nicht mit dem Kopf durch die Wand zu einer Revision des Versailles
00:04:50: Vertrages
00:04:51: also jenes Friedensvertrag
00:04:53: ist,
00:04:53: den Deutschland am Ende des Ersten Weltkrieges.
00:04:58: Und da zeichnet hat.
00:05:00: wir können nicht mit dem Kopf durch die Wand bei dieser Revision sondern wir müssen schauen das wird zu einer Verständigung deswegen Verständigungspolitik mit Frankreich kommen.
00:05:12: und dann eben Lokarno die für mich eigentlich entscheidende Zäsur
00:05:17: weil
00:05:18: da eben diese freiwillige deutsche Anerkennung der Westgrenze erfolgt und damit natürlich dem französischen
00:05:25: Sicherheitsbedürfnis
00:05:28: sehr stark entgegen gekommen wird.
00:05:31: Und das ohne ein sofortiges
00:05:33: quid pro quo, also
00:05:36: ohne eine sofortige Revision des Versailles
00:05:39: Vertrags
00:05:41: zu fordern und eben auch nicht zu erreichen Allerdings immerhin aus Lokarno, und das ist für unsere
00:05:47: Vorgeschichte
00:05:48: von Tuarie unmittelbare
00:05:50: Vorgeschichten
00:05:51: natürlich dann sehr wichtig.
00:05:53: Aus Lokarnow entsteht der die Einladung an das Deutsche Reich wie es ja damals
00:06:00: hieß
00:06:01: dem Völkerbund beizutreten uns sogar ständiges Mitglied im Völker-Bundsrat
00:06:07: zu
00:06:07: werden.
00:06:07: Und das geschieht dann juste der
00:06:09: offizielle
00:06:10: Einzug sozusagen der deutschen Delegation in den Genfer Völkerbund.
00:06:15: Das geschieht halt im September, nineteenhundert sechsundzwanzig wenige Tage Fortuari und das ist eben der unmittelbare Kontext.
00:06:25: also wir erleben
00:06:27: eine neue Phase
00:06:30: der deutsch-französischen
00:06:32: Beziehung.
00:06:33: Eine Phase in der Dresemann und Brion sich wiederholt
00:06:37: bereits ausgetauscht
00:06:38: haben Und eine Phase, die dann eben dieses Treffen in Tuarie das nochmal eine ganz besondere Komponente in dieses Verhältnis reinbringen soll ermöglicht.
00:06:50: Jetzt sagen Sie neue Phase der deutsch- französischen Beziehungen – Sie haben auch gerade schon mal gesagt, strese man diese Die Bedeutung dieser Person, da werden wir später auch noch mal drauf zu sprechen kommen.
00:07:01: Es heißt ja oft in Tuarie hätten Deutschland und Frankreich kurz vor einem ... Ja heute würde man wahrscheinlich, Sie haben gerade von Verständigung gesprochen, heute würde mein Journalist wahrscheinlich sagen, kurz vor einen großen politischen Deal gestanden.
00:07:12: Ist das historische Realität oder im Rückblick ein bisschen... romantisiert, wenn ich mal so sagen will.
00:07:20: Es hätte ein Big Deal werden können.
00:07:22: Zunächst einmal gibt es schon einige Monate vorher vor dem September nineteenhundert sechsundzwanzig
00:07:30: ist
00:07:30: ventiliert worden sowohl von der deutschen als auch von der französischen Seite ob man nicht im Kontext
00:07:37: der Völkerbund
00:07:38: Sitzung im September sechsund zwanzig nicht ein bilaterales Treffen sozusagen informellem Rahmen, nicht in einem großen offiziellen Rahmen mit großen Delegationen zwischen Stresemann und Breon organisieren könnte.
00:07:53: Und dann kommt es zu diesem Treffen der Intuari in gewisser Weise unter geradezu konspirativen Bedingungen weil die beiden sich sozusagen aus Genf raus.
00:08:07: Warum?
00:08:07: Weil natürlich diese Völkerbundssetzung mit einem großen Medienrommel verbunden ist.
00:08:13: und wann immer sich Stresemann und Breon in Genf irgendwo getroffen hätten, in einem Hotel oder wo auch immer
00:08:21: die Presse hätte
00:08:22: Winter von bekommen.
00:08:23: Und das wäre kein informelles Treffen und es recht kein vertraulisches Treffen geworden gerade diese beiden weil sie gerade auch von, wie würde man das heute kommentieren?
00:08:35: Die Presse die beiden waren sehr mediatisiert.
00:08:38: Das hängt natürlich auch damit zusammen.
00:08:40: Breon
00:08:41: hält
00:08:42: die Rede beim Anzug der deutschen Delegation in den Völkerbund in gewisser Weise die Begrüßungsrede was natürlich auch schon wieder zeigt da ist eine neue Qualität in den deutsch-französischen Beziehungen über die letzten
00:08:56: Jahre
00:08:57: entstanden und dass Man muss bedenken, wir sind acht Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.
00:09:03: Also
00:09:04: eines verheerenden Krieges.
00:09:06: enorme Verluste auf beiden Seiten aber eben auch gerade auf französischer Seite.
00:09:12: personelle und materielle Verluster.
00:09:13: also
00:09:14: unter gerade zu konspirativen Bedingungen fahren die aus Genf heraus.
00:09:19: beide gehen verlassen ihre Hotels zunächst mal in unterschiedliche
00:09:22: Richtungen
00:09:23: und treffen sich dann kurz darauf an einem Ort in Genf, um dann gemeinsam nach Tuarie wenige Kilometer entfernt.
00:09:32: Raus aus der Schweiz
00:09:34: liegt ein kleiner Ort damals um die Tausende Einwohner auf der französischen Seite am Fuße des Jura mit immerhin einem renommierten Hotel und Restaurant.
00:09:46: Und das ist dieses
00:09:48: Hotel Ligé
00:09:49: und da treffen sie beiden sich Und sie sind nur zu dritt.
00:09:53: Also es gibt Gustav
00:09:54: Stresemann, es gibt
00:09:55: Aristide Breon
00:09:56: und es gibt
00:09:58: Oswald
00:09:59: Enau.
00:10:00: Das
00:10:00: ist der Pressechef der
00:10:02: französischen Botschaft in Berlin, der schon wiederholt den beiden bei ihren Gesprächen als Übersetzer gedient hat und denen brauchen Sie halt.
00:10:11: aber das
00:10:12: zeigt bereits
00:10:13: dass ein sehr informelles treffen in einem sehr lockeren Rahmen, angenehmen Rahmen beim guten Mittagessen und dieses Treffen und diese Gespräche gehen dann über gut vier Stunden.
00:10:27: Vierundhalb fast fünf Stunden
00:10:29: Ziel ist eigentlich
00:10:31: Ein Ziel mit dem vor allen Dingen Gustav Stresemann in diesen Austausch reingeht, ist zu einer Art Generalbereinigung der noch verbliebenen deutsch-französischen Streitpunkte oder Konfliktpunkte zu kommen.
00:10:45: Und deswegen präsentiert er Brian eine Liste und diese Liste umfasst
00:10:50: also
00:10:50: vorzeitige Räumung des Saargebietes.
00:10:53: Das Saargebiet
00:10:53: muss man wissen so wurde es im Versaillervertrag
00:10:56: festgelegt
00:10:57: sollte noch bis von Deutschland weggenommen sein, besetzt sein von Frankreich und die Saargruben sollten auch bis neunzehntundunddreißig zu Frankreich gehören.
00:11:12: Also die erste Forderung ist
00:11:14: die vorzeitige
00:11:16: Freigabe des Saargebietes.
00:11:18: Die
00:11:18: zweite Forderungen ebenfalls eine territoriale Revisionsforderung ist.
00:11:25: Die dritte Forderung bezieht
00:11:31: sich auf die
00:11:32: interallierte Militärkontrolle, das heißt also die Kontrolle
00:11:37: der deutschen
00:11:38: Abrüstungs- Leistungen, die vom Versajer
00:11:42: Vertrag gefordert
00:11:44: sind und die von einer interallierten Militärkommission überwacht werden.
00:11:48: Diese Abrüstungsschritte – etwas was
00:11:50: die
00:11:51: deutsche Souveränität gerade aus Stresemanns Perspektive auch nachhaltig beeinträchtigt – also die Forderung dieser internationale Militäerkommission sollte ihre Arbeit einstellen zu mal Deutschland, die wesentlichen Abrüstungsschritte erbracht hat nicht querstellen, wenn die deutsche Regierung und die belgische
00:12:13: Regierung
00:12:14: sich über eine Rückkehr von Malmedie nach Deutschland einigen würden.
00:12:20: Auf den ersten Blick mag das erstaunen des Stresemann damit so einer Wunschliste kommt und man fragt
00:12:25: sich ja vielleicht wie
00:12:26: konnte man überhaupt hoffen die französische Seite davon überzeugen zu können?
00:12:31: Ganz einfach!
00:12:32: Frankreich zum einen war nicht liquide.
00:12:36: wir
00:12:36: sind in einer Phase einer starken Währungskrise, nicht Wirtschaftskrise in Frankreich.
00:12:43: Also es geht nicht immer um eine Produktionskrise aber wir haben's mit einer Währungskrise zu tun das heißt mit einem schwachen Front und mit einer Flucht
00:12:51: aus
00:12:52: dem Front und das hängt eben
00:12:54: auch
00:12:55: mit der Instabilität
00:12:57: der
00:12:57: französischen Regierung zusammen die in einem raschen Wechsel sind.
00:13:03: Insofern ist das Interesse des französischen Interessen, zumindest wie Briand es in der Situation sieht den Front zu stabilisieren.
00:13:12: Und deswegen kommt es zu dem deutschen Vorschlag, wir mobilisieren eine Milliarde Goldmark.
00:13:20: Für euch wie kann man das machen?
00:13:22: Das
00:13:23: ist
00:13:24: ein etwas komplizierter finanztechnischer Mechanismus.
00:13:27: ich verkürze mal etwas
00:13:30: es gibt Reichsbahnobligationen
00:13:33: d.h.
00:13:33: Schuldverschreibungen
00:13:35: der Reichsbahnen die aus dem Dorfsplan also einem Reparationsplan resultieren der hier
00:13:43: ausgehandelt
00:13:45: worden ist zwischen Deutschland und den Siegermächten, die aufgrund des Versaillervertrags
00:13:51: erhebliche
00:13:52: Referationsforderungen an Deutschland stellen.
00:13:55: Und diese Reisbahnobligationen unterstehen bisher einem Treuhänder.
00:14:01: Jetzt
00:14:02: geht
00:14:02: es darum ein Teil dieser Obligation wie einen Wert von insgesamt elf Milliarden Goldmark haben auf dem internationalen Markt zu
00:14:13: kapitalisieren.
00:14:14: Sie also an private Investoren, ein Teil eben in der Höhe von eine Milliarde Goldmark, die Frankreich gegeben werden soll,
00:14:23: zu kapitualisieren,
00:14:24: derart eben Liquidität
00:14:26: zu schaffen
00:14:27: und dann Frankreich diese Summe geben zu können.
00:14:32: Das ist und gleichzeitig sollen die Saargroben eben vorzeitig
00:14:36: zurückgekauft
00:14:37: werden, auch da werden nochmal dreihundertfünfzig Millionen wenn ich mich recht entsinne Goldmark mobilisiert.
00:14:44: also
00:14:45: vordergründig sieht es
00:14:46: aus wie
00:14:47: ein ja ein Deal
00:14:50: Geld gegen
00:14:52: Revision eines Teils nicht des vollständigen Versaillervertrags, eines teils
00:14:57: des Versaillavertrages.
00:14:59: Aber das wäre etwas verkürzt
00:15:01: also wenn man die so eine reine blanke Kosten nutzen an so ein rein materielles Kostennutzenkalkül unterstellen würde.
00:15:09: Interessant ist dass ja beide Seiten soweit wir das wissen müssen sagen Wir haben nur Die Aufzeichnung von Stresemann.
00:15:20: Es gibt
00:15:20: es
00:15:20: passt zu diesem informellen Rahmen dieses Treffens.
00:15:23: Es gibt ein kurzes gemeinsames Kommuniké am Ende dieses Treffens, aber
00:15:29: relativ
00:15:29: nichts sagen.
00:15:30: Bestätigung des Treffends, gute Atmosphäre,
00:15:33: positiver produktiver Austausch,
00:15:35: aber keinerlei Details was auch nicht wundert weil in diesem Deal
00:15:40: der sich da abzeichnet,
00:15:42: da steckt viel Sprengstoff über dem wir ja sehr wahrscheinlich noch reden werden und was
00:15:47: auch erklärt
00:15:48: warum es am ende eben nicht zu diesen großen Deal kommt, also nur ein kleines Kommuniké.
00:15:54: Ansonsten einige Statements die Breon und Stresemann nach ihrer Rückkehr in Genf gegenüber Journalisten abgeben genauso allgemein relativ nicht sagend und dann eben eine schriftliche
00:16:08: Aufzeichnung von
00:16:09: Streseman aber eben kein gemeinsam abgezeichnetes
00:16:12: Gesprächsprotokoll.
00:16:14: offensichtlich aber sind beide Seiten bereit
00:16:18: über diese Forderung
00:16:20: des jeweils anderen nachzudenken, was ja schon ganz bemerkenswert
00:16:24: ist.
00:16:25: Vor allen Dingen von französischer
00:16:26: Seite
00:16:27: wo man in den Jahren zuvor immer auf eine strikte Einhaltung
00:16:33: der
00:16:33: Bestimmung des Versaillervertrags gepocht hat.
00:16:36: und das zeigt eben dass es nicht nur um so ein materialistisches
00:16:42: Kosten-Nutzen-Kalkül
00:16:44: geht sondern dass auf beiden Seiten eben auch auf der französischen, die Erkenntnis gewachsen ist.
00:16:51: Kontrolle Deutschlands?
00:16:54: Ja
00:16:54: das wollen wir.
00:16:56: Das brauchen wir für unser
00:16:58: Sicherheitsgefühl diese wenigen
00:17:00: Jahre relativ wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg.
00:17:05: aber wir sehen ein zumindest so ist Briens Wahrnehmung Wir sehen ein dass wird es nicht mehr mit einseitiger Kontrolle hinbekommen oder produktiv
00:17:18: ist,
00:17:18: dies mit einseitiger Kontrolle geschweigenden militärischem Einsatz wie bei der Ruhrbesetzung, in den Jahr und zwanzig herzustellen sondern kooperativ
00:17:29: Sicherheit
00:17:30: gegenseitige
00:17:31: Sicherheit kooperativ Herstellen.
00:17:35: Und gleichzeitig gibt es eben diesen von mir geschilderten währungspolitischen Zwang
00:17:42: diese Flexibilität die da besonders bei Brian Sichtbar wird, spricht der Außenminister dafür die ganze französische Regierung oder ist er damit innerhalb seiner eigenen Regierung isoliert?
00:17:55: Er ist weit vorgeprecht
00:17:57: und wird eben dann in Paris.
00:17:59: Aber das ist nicht der einzige Grund.
00:18:03: Nach seiner Rückkehr in Paris wird er auch wieder etwas eingefangen.
00:18:09: Das fängt schon damit an, dass Raymond
00:18:11: Poincaré
00:18:12: wie der Ministerpräsident, Französischer Ministerpräsident wirkt.
00:18:16: Aristide
00:18:16: Briand ist ja nur in Anführungszeichen aus dem Minister.
00:18:20: Er ist nicht der Regierungschef.
00:18:21: also Poincarré wirkt.
00:18:24: Ministerprésident Raymond
00:18:25: Poincare das ist
00:18:27: einer der französischen Politiker die in den Jahren zuvor immer auf strikte Einhaltung des Versaillervertragsgepocht
00:18:36: haben.
00:18:36: Das ist die jener Politiker,
00:18:38: der
00:18:39: die Entscheidung zum französischen Einmarsch ins Ruhrgebiet, und die Besetzung nur auf starken Druck selbst nach dem auf deutscher
00:18:50: Seite der passive Widerstand
00:18:53: eingestellt wurde.
00:18:54: Er immer noch zu gezögert hat, die französischen Truppen abzuziehen und er ist dann auf
00:18:59: Druck auch der
00:19:00: britischen Regierung angesichts einer zunehmenden Isolierung diesen Rückzug angetreten hat.
00:19:07: insofern gehört eher gerade und er isst jetzt an eine entscheidende Stelle gehört eher grade zu jenen Politikern die sagen
00:19:16: wir brauchen
00:19:17: jene Sicherheiten
00:19:20: im Versaillervertrag festgeschrieben
00:19:22: sind und dazu gehört eben neben der Abrüstung, neben den Reparationen.
00:19:27: Dazu gehören auch jene deutschen Territorien die wir besetzt haben.
00:19:33: Das ist das
00:19:33: eine.
00:19:33: des andere was man von Carré auch
00:19:37: zuschreiben
00:19:37: kann.
00:19:38: ihm gelingt dieser Nierungen des Francs Er führt eine neue Finanzpolitik
00:19:43: durch,
00:19:45: Sparmaßnahmen.
00:19:46: Eine andere Steuerpolitik und das stabilisiert innerhalb relativ
00:19:51: kurzer Zeit wieder
00:19:52: den französischen Frauen so dass einer der Gründe weswegen auch Breon überhaupt mit Stresemann einmal hypotätisch
00:20:03: durchgespielt hat, was wäre
00:20:06: denn möglich zwischen unseren beiden Ländern im Hinblick auf eine Generalbereinigung an noch bestehender Differenzen?
00:20:14: So dass eine wesentliche Grundlage für diesen Plan von Tuari entfällt.
00:20:20: Ich möchte jetzt diese Parallelen nicht so weit treiben aber es fällt natürlich schon auf jetzt gerade wenn wir genau hundert Jahre zurückblicken.
00:20:27: das ist auch damals wieder.
00:20:29: die Finanzen waren zwischen Deutschland und Frankreich Und schon damals Frankreich als wirtschaftlich schwächerer Partnerdarstand und auf die Unterstützung der deutschen Seite gezählt hat.
00:20:43: Ist das eine Konstante in den deutsch-französischen Beziehungen, die sich damals schon zum ersten Mal abgezeichnet hat?
00:20:51: Also, soweit würde ich nicht gehen.
00:20:53: Wir kommen vielleicht auch noch dazu nach Parallelen zwischen der Zwischenkriegszeit einerseits und der Entwicklung der deutsch- französischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg
00:21:05: zu
00:21:05: fragen.
00:21:06: Ich glaube nicht dass man durchgehend eben von dem wirtschaftlich starken Deutschland im wirtschaftlichen Schwachen Frankreich sprechen kann.
00:21:17: Es
00:21:18: ist ja dann wieder gelingt, den Franz zu stabilisieren.
00:21:22: Und dieses finanzpolitische Ungleichgewicht
00:21:24: zwischen
00:21:25: Deutschland und Frankreich in der Tat
00:21:27: als
00:21:28: Breon- und Stresemann sich da Infarietreffen – ist es dem Deutschen Reich mittlerweile gelungen nach der Währungsreform?
00:21:35: — — — angelaufenen Krediten, die sich erklären aus der
00:21:52: Sicherheit,
00:21:52: die jetzt in der
00:21:54: Reparationsfrage
00:21:56: durch den Dorfplan von vierundzwanzig entstanden ist.
00:22:00: Insofern würde ich es auch nicht nur auf diese finanzpolitische Dimension reduzieren – die Akzeptanz
00:22:10: für
00:22:11: zumindest mal die grundsätzliche Akzeptanz.
00:22:14: Wir können darüber reden, wir können über das reden was Stresemann da an erheblichen Revisionen des Versaillervertrages
00:22:21: vorschwebt
00:22:22: wenn sie überhaupt eine Parallele jetzt ziehen wollen.
00:22:25: also auf dieser finanzpolitischen Schiene sagen wir mal dann kann man aus Tuarie dann können wir.
00:22:34: aus dieser Tatsache
00:22:35: dass am Ende es nicht zu diesem Deal von dem wir eingangs gesprochen haben kommt können wir ableiten dass man finanzpolitische und internationale Realitäten nicht einfach ausblenden kann in einem bilateralen Verhältnis.
00:22:51: Ganz konkret gesagt, Stresemann und Breon erörtern da etwas
00:23:02: will heißen
00:23:03: konkret
00:23:04: diese
00:23:04: Mobilisierung der Reisbahn Obligation, die Kapitalisierung der.
00:23:13: Zum einen die Zustimmung der anderen Reparationsgläubiger, der anderen Länder.
00:23:18: Nicht nur Frankreich hat Anspruch auf
00:23:21: deutsche Reparationen.
00:23:22: Das erfolgt
00:23:23: zweitens
00:23:24: dass man Investoren findet, die denn tatsächlich
00:23:27: bereit
00:23:28: sind einen Teil dieser Reichsbahnobligation zu übernehmen.
00:23:31: und die findet man eigentlich nur in einem Land im der damaligen Zeit und das sind
00:23:37: die USA.
00:23:38: Nur in den USA ist
00:23:39: ausreichend Kapital zur Verfügung,
00:23:42: um eine so
00:23:43: große
00:23:43: Summe eben einem Milliarde Goldmark was damals einer Milliarde Reismark entsprach mobilisieren zu können.
00:23:52: Und hier zeigt
00:23:53: sich
00:23:54: zum einen dass die
00:23:55: privaten
00:23:56: Investoren in den
00:23:57: U.S.A.,
00:23:59: nachdem das so etwas ventiliert worden ist
00:24:06: vielleicht bereit
00:24:07: wären, in ein solches Geschäft einzusteigen.
00:24:11: Aber mit einer sehr viel höheren Rendite als man sich das von deutscher Seite vorgestellt hat so dass die finanziellen Belastungen für Deutschland sehr viel höher würden.
00:24:22: Das ist eine.
00:24:23: Das andere
00:24:23: ist
00:24:24: die amerikanische Regierung ist um das Mindeste zu sagen sehr zurückhaltend bei diesem Deal und das hängt einfach damit zusammen.
00:24:35: Ein Konflikt haben sich in der französischen Regierung und der amerikanischen Regierung, da geht es um die Rückzahlung
00:24:42: der Kriegskredite.
00:24:44: Und der Nachkriegs-
00:24:45: kredite,
00:24:46: die Frankreich von den USA erhalten hat.
00:24:49: Man hat zwar ein Abkommen
00:24:50: ausgehandelt
00:24:52: und auch schon unterzeichnet gerade in den Monaten vor Tuarie einen Abkommen zwischen der französischen Regierung und der americanischen Regierung indem geregelt wird in welchen Anuitäten, mit welcher Verzinsung diese Kredite, die sich ungefähr auf vier Milliarden Dollar mittlerweile belaufen
00:25:12: wie sie zurückgezahlt
00:25:13: werden sollen.
00:25:14: Aber
00:25:15: dieses Abkommen
00:25:16: ist noch nicht von Frankreich vom französischen Parlament ratifiziert worden.
00:25:20: Also insofern ist man da eine Stand-by Situation und die Sorge der amerikanischen Regierung ist, wenn Frankreich
00:25:30: sich jetzt
00:25:30: finanziell sozusagen freischwimmt indem man eben diesen Deal mit Deutschland macht Dann ist man nicht unmittelbar mehr interessiert an einer Ratifizierung dieses Abkommens, denn
00:25:45: dieses Abkommen
00:25:46: ist gekoppelt an weitere amerikanische Kredite für Frankreich.
00:25:49: Wenn aber diese Notwendigkeit weiterer amerikanischer Kreditte anzunehmend zumindest unmittelbaren nicht mehr so dringlich ist
00:25:57: besteht
00:25:58: in der Tat
00:25:59: die Gefahr
00:25:59: dass dieses Abkomben nicht unterzeichnet wird zumal auf französischer Seite.
00:26:05: Die Position ist, wir wollen die Rückzahlung unserer Kredite koppeln an deutscher Reparation.
00:26:13: Also nur in dem Maße, wie deutsche Reparations geleistet werden wollen wir auch unsere Kriegskredite zurückzahlen.
00:26:20: die amerikanische Position ist genau umgekehrt ihr müsst eure kredite zurück zahlen völlig unabhängig davon
00:26:28: ob ihr reparationen
00:26:30: bekommt.
00:26:31: die sollte ja grundsätzlich bekommen.
00:26:32: aber wir machen wir koppeln das eine nicht an das andere.
00:26:36: also Insofern
00:26:38: scheitert es
00:26:39: eben auch
00:26:40: auf
00:26:41: dieser Ebene.
00:26:42: dann innenpolitische Widerstände, über die
00:26:45: wir gerade
00:26:46: ja für die französische
00:26:47: Seite
00:26:48: gesprochen haben.
00:26:49: Also der Widerstand von Poincaré.
00:26:52: Gerade nachdem dann auch der finanzpolitische Druck
00:26:55: wegfällt.
00:26:56: aber auch auf deutscher Seite
00:26:58: muss Stresemann feststellen
00:27:00: das ist
00:27:01: Kritik An dieser Idee
00:27:03: gibt,
00:27:03: ich meine er lebt ja ohnehin seit Jahren schon mit Kritik von der radikalen Rechten die ihn hast.
00:27:09: Die nicht von einer Verständigungspolitik sondern von einer Erfüllungspolitiker
00:27:14: spricht
00:27:16: Dresemann dazu nachgebig gegenüber den Siegermächten des ersten Weltkrieges
00:27:21: sei.
00:27:22: Aber unabhängig davon gibt
00:27:24: es auch
00:27:25: zum einen die Kritik,
00:27:27: dass
00:27:27: auf deutscher Seite man sich finanziell überheben könnte.
00:27:32: Dass man sich abhängig machen würde von privaten Gläubigern während man bisher von Regierungen Ländern abhängigt war wo immer die Hoffnung bestehen konnte das
00:27:45: vielleicht die Reparation
00:27:46: aus politischen Gründen am Ende doch geringer ausfallen oder vielleicht sogar ganz eingestellt werden können.
00:27:53: Aber das entfällt natürlich, wenn Sie in Abhängigkeit zumindest Teilabhängigkeit von privaten Investoren geraten die natürlich auf eine genaue Einhaltung
00:28:05: der Verzinsungen
00:28:06: insistieren und natürlich
00:28:08: auch auf Rückzahlung.
00:28:11: also insofern ist es ein Beispiel
00:28:13: dafür wie etwas versucht wurde bilateral auszuhandeln, was aber letztlich
00:28:21: multilateral hätte verhandelt werden müssen.
00:28:24: Weil es
00:28:25: sehr viele
00:28:26: internationale Implikationen hat und sehr viele andere international Akteure
00:28:32: gebraucht
00:28:33: wurden damit dieser
00:28:35: bilaterale Deal überhaupt
00:28:37: hätte umgesetzt werden können.
00:28:39: Jetzt haben Sie gerade nochmal in dieser Antwort sehr viel zum Thema Stresemann, so die Personenstresemann auch gesagt.
00:28:45: Sie hatten das ganz am Anfang des Gesprächs auch schon mal angedeutet welche Motivation er denn hatte.
00:28:50: heute gilt er ja so als der große deutsch-französische Versöner.
00:28:54: rückblickend gleichzeitig das haben sie ja gesagt wollte er da zentrale Bestimmungen von Versailles revidieren bei diesem Treffen oder in Folge in der Folge.
00:29:03: dann Ist dann Versöhnungspolitiker überhaupt die richtige Beschreibung, wenn wir auf ihn schauen?
00:29:09: Auch auf seine Motivation damals vor hundert Jahren.
00:29:12: Ich glaube grundsätzlich
00:29:13: ja das ist.
00:29:14: gleichzeitig weiß ich dass es eine
00:29:17: eigentlich bis heute noch andauernde breite
00:29:20: Debatte geschichtswissenschaftliche Debatte ist, das war
00:29:24: von Beginn an die Einschätzung von Stresemann.
00:29:28: Von Beginn auch eine politische
00:29:30: Debatte.
00:29:31: also
00:29:31: schon ich habe es eben angedeutet schon zu seinen Lebzeiten
00:29:35: war er
00:29:36: ein von der nationalen Rechten in Deutschland verhasster
00:29:40: Politiker.
00:29:41: dem wurde
00:29:42: aus der Perspektive
00:29:44: nationalistischen Rechten, teilweise in der eigenen Partei.
00:29:48: In der DVP dann natürlich noch weiter rechts in der DNVP, der deutschen Nationalen Volkspartei und natürlich erst recht nachher bei den Nationalsozialisten wurde ihm vorgeworfen zu nachgebig gegenüber den Alliierten zu sein sozusagen zu
00:30:06: viel
00:30:07: Konzession machen ohne ausreichend Gegenleistungen zu
00:30:11: erhalten.
00:30:12: Bei den republikanischen Parteien
00:30:15: hat er ja
00:30:16: zunehmend anklang gefunden, schon zu seinen Lebzeiten.
00:30:21: Was nicht evident war als er in der Jahr neunzehntundundzwanzig Reichskanzler und Außenminister zum ersten Mal geworden ist.
00:30:29: Da hatte er
00:30:30: eigentlich den Ruf
00:30:32: aus der Zeit des Kaiserreis
00:30:34: und derzeit des Ersten Weltkriegs Ein Nationalist zu sein.
00:30:39: Im Ersten Weltkrieg wurde der junge Mann Ludendorfs genannt, also ein Siegfriedenpolitiker im ersten Weltkrig dann in den frühen Nachkriegsjahren ein scharfer Kritiker
00:30:51: des Versailler
00:30:53: Vertrags.
00:30:54: und insofern begegnet man ihm auch gerade auf republikanischer Seite noch neunzehntundundzwanzig mit
00:31:01: sehr viel
00:31:02: Misstrauen.
00:31:03: und das nimmt in dem Maße ab wie
00:31:05: er
00:31:06: eben Zeit
00:31:07: dass
00:31:07: er eine ganz andere Politik jetzt macht, als man vorher von ihm erwartet hat.
00:31:13: Und wenn man das so ein bisschen verfolgt über die Jahrzehnte, dann haben wir Sowellen der Stresemann-Rezeption.
00:31:23: Ich habe von der zeitgenössischen Perspektive gesprochen, wenn wir den Blick werfen nach Dann wird er zumindest in der damaligen Bundesrepublik Deutschland, so eine Art
00:31:40: Lichtgestalt stilisiert.
00:31:43: Und das erklärt sich natürlich vor dem Hintergrund
00:31:45: der
00:31:46: Adenau-Schön Westpolitik,
00:31:48: der Aussöhnung
00:31:49: mit Frankreich nach
00:31:51: dem Zweiten
00:31:52: Weltkrieg und dann erscheint eher als eine Art Ahnvater
00:31:56: dieser Politik
00:31:58: und einer der wenigen Politiker der Weimarer Republik die in der Bundesrepublique Deutschland
00:32:03: positiv dargestellt
00:32:05: werden oder positiv rezipiert werden.
00:32:08: Und es gibt so einige zeitgenössliche Karikaturen in der damaligen Presse.
00:32:13: im Zusammenhang mit der europäischen Gemeinschaft für Kohl und Stahl, also der Zusammenarbeit von Konrad Adenauer und Robert Schumann und dann auch vor dem Hintergrund Antoine zwischen Adenauer und Schalde Gull gibt es einige zeitkontostische Karikaturen, wo man sozusagen auf einer Wolke
00:32:31: schwebend
00:32:32: Aristide-Briand und Stresemann sieht
00:32:35: die wohlwollend
00:32:36: herunterschauen auf diese neuen deutsch-französischen Paare und deren Ausführungswerk.
00:32:44: Das gibt dann weder im Laufe der nineteenhundertsechziger
00:32:49: Jahre,
00:32:50: auch in dem Maße wie Quellen bekannt werden.
00:32:54: Dieser berühmte Kronprinzenbrief den Stresemann nineteenhundertzwanzig an den praußischen Kronprenzen
00:33:02: schreibt.
00:33:03: und
00:33:04: aus diesen
00:33:04: Zeugnissen lesen dann Kritiker
00:33:08: Doch heraus, am Ende ist es der alte Adam.
00:33:11: Am Ende
00:33:12: ist er der alte Revisionspolitiker,
00:33:16: der aus rein taktischen Gründen sich nur verstellt sozusagen eine Art politische Mimikri
00:33:25: betreibt
00:33:25: und dem ist im Kern aber nur um diese Revision von Versailles gibt.
00:33:30: Wenn ich mir die
00:33:31: Historiografie
00:33:33: dann der letzten Jahrzehnte angucke wenn Die Arbeit von Peter Krüger denke, wenn ich in Frankreich an die Stresemann Biographie von Christian Béchelaar denke.
00:33:47: Wenn ich an
00:33:48: angelsächsische Historiografie
00:33:50: Jonathan White denke dann arbeiten diese
00:33:55: Historiker doch heraus dass bei Stresemann
00:34:01: sehr wohl ein Umdenkungsprozess und nicht nur ein taktischer, sondern ein wirklicher ernst gemeinter Umdenkungsprozess eingesetzt hat.
00:34:12: Seit nineteenhundertdreiundzwanzig die Erkenntnis, die ich eingangs schon mal erwähnt habe
00:34:18: ausgehend
00:34:19: von dem sogenannten Rurkampf
00:34:22: wir
00:34:22: können mit dem Kopf durch die Wand und wir können nicht sozusagen
00:34:27: realitäten
00:34:28: dauerhaft
00:34:29: ausblenden.
00:34:30: Das heißt, wir müssen sehen Wir haben diesen Krieg verloren.
00:34:34: Wir müssen Forderungen erfüllen aber wir müssen vor allen Dingen
00:34:39: auch
00:34:40: Nicht die andere Seite permanent als
00:34:43: illegitim
00:34:44: in ihren Forderungen wahrnehmen, sondern wir müssen die Legitimität
00:34:49: beispielsweise des
00:34:51: französischen Sicherheitsbedürfnisses
00:34:56: respektieren.
00:34:57: Das heißt das was
00:34:58: Stresemanns Ansatz unter anderem ausmacht
00:35:03: ist
00:35:03: schon mal sich in den anderen hinein zu versetzen und es internationalen Verhandlungen, aber
00:35:12: ehrlich gesagt
00:35:13: auch im persönlichen Umgang scheint das eine Selbstverständlichkeit zu sein wenn man denn zu Resultaten kommen will.
00:35:20: Aber das war ja gerade nicht die
00:35:22: deutsche Politik
00:35:23: in den ersten Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.
00:35:27: Es war ganz im Gegenteil
00:35:29: diese Haltung
00:35:30: des zu ungerecht
00:35:33: bestraften,
00:35:34: die Nicht-Anerkennung jeder
00:35:37: alliater
00:35:38: Forderungen.
00:35:39: und da
00:35:40: Ist dieser
00:35:41: ein erster Schwenke, eine erste Änderung bei Stresemann?
00:35:45: Und dann was bei Stresemann auch sozusagen neu in die Außenpolitik kommt.
00:35:51: Das ist Absage
00:35:53: an klassisches Machtdenken, ein stärker
00:35:57: wirtschaftspolitisches
00:35:59: Denken und der Multilateralismus.
00:36:03: Die Bereitschaft
00:36:04: Deutschlands sich in den international den europäischen, vor allen Dingen in der damaligen Zeit noch europäische Multilateralismus beispielsweise dem Völkerbund einzuordnen und gleichzeitig
00:36:19: auch gute
00:36:20: Beziehungen zu den
00:36:22: USA
00:36:23: unterhalten.
00:36:25: Und Revisionen mit einer ganz anderen Methode zu erreichen die aber eben nicht nur eine taktische Neuorientierung ist, sondern die bei Stresemann aus einer echten Überzeugung entsprengt.
00:36:43: Und gleichzeitig
00:36:44: – und das erklärt
00:36:45: auch ich
00:36:45: habe eben zitierte
00:36:47: Äusserungen
00:36:48: von ihm, die dann zu Schlüsseldokumenten von seinen Kritikern erklärt wurden -,
00:36:56: dass er
00:36:57: in einer ganz schwierigen innenpolitischen Lage gewesen permanent mit dieser Kritik von rechts erleben musste und von daher natürlich auch innenpolitisch
00:37:09: teilweise taktisch
00:37:10: argumentieren musste, um Mehrheiten zu mobilisieren.
00:37:15: Der heutige Konsens in der Geschwichtswissenschaft
00:37:20: ist
00:37:21: Stresemann –
00:37:22: ist tatsächlich
00:37:23: ein überzeugter Verständigungspolitiker!
00:37:27: Wohlgemerkt ein Politiker,
00:37:29: der die Revision
00:37:30: des Verscheiervertrages
00:37:32: will.
00:37:33: Der deutsche
00:37:35: Interessen
00:37:36: verteidigt.
00:37:37: Der aber sieht es diese deutschen
00:37:39: Interessen im Einklang mit den Nachbarn und mit den übrigen Partnern realisiert werden
00:37:47: müssen.".
00:37:48: Bevor wir jetzt schauen warum trotz dieser Kompetenz sich in dem anderen in die Sichtweise der französischen Regierung, des franzisischen Außenministers hineinzuversetzen.
00:37:58: Warum am Ende dieses Treffen in Tuarie beziehungsweise der Plan am Ende scheitert würde ich ganz gerne nochmal eine Frage stellen.
00:38:06: Sie haben das jetzt sehr klar dargestellt was da auf den Tisch gelegt wurde von von Stresemann und auch so ein Breon in Tuari also dieses Tauschgeschäft im Grunde genommen Französische Sicherheits- und Finanzinteressen gegen deutsche Revisionswünsche so würde ich es mal zusammenfassen.
00:38:23: Kann man das heute sagen, wer davon stärker profitiert hätte?
00:38:26: Wenn man sich auf diesen Deal, sage ich jetzt wieder geeinigt hätte.
00:38:31: Da sind wir jetzt natürlich eben.
00:38:33: was wäre wenn gewesen.
00:38:36: Das ist
00:38:36: immer für ein Historiker ein Heiklisteerei, oft dem sie mich da locken.
00:38:42: Aber wenn wir uns mal auf das
00:38:43: Spiel,
00:38:44: sag' ich mal, einlassen dann würde ich sagen... Da hätte keiner auf Kosten des anderen profitiert.
00:38:50: Das wäre eine Win-win Situation gewesen,
00:38:53: weil was vordergründig so aussieht wie ein
00:38:57: potenzieller deutscher Gewinn will heißen klar man muss Geld geben aber dafür bekommt man einen zumindest einen erheblichen Teil seiner Revisionswünsche
00:39:07: verwirklicht.
00:39:08: wohl gemerkt das hätte wir ja Auf keinen Fall auf eine Revision, eine vollständige Revision des
00:39:15: Versaillervertrags
00:39:16: hinausgelaufen.
00:39:17: Die ganze Ostproblematik haben wir jetzt gar nicht angesprochen weil sie in Tuarie keine Rolle spielte.
00:39:23: also warum eine Win-win Situation?
00:39:26: Warum überhaupt, auch
00:39:28: wenn wir nicht genau wissen wie Breon's Reaktion ja gewesen ist?
00:39:32: Weil wir eben nur diese Zusammenfassung von Stresemann haben.
00:39:36: und es gibt einen französischen Historiker großen Kenner der Politik der Zwischenkriegszeit.
00:39:41: Der Französische Barietti leider mittlerweile verstorben.
00:39:46: er die dieses
00:39:47: Treffen so interpretiert
00:39:49: hat
00:39:50: dass Strese Mann
00:39:52: sehr viel
00:39:54: mehr
00:39:54: heraus gelesen hat aus der oder
00:39:58: sehr viel weitgehendere Schlüsse,
00:40:01: aus Brion's Äußerungen
00:40:03: gezogen hat als Brion tatsächlich intendiert hat.
00:40:07: Aber wenn wir jetzt mal davon ausgehen
00:40:10: das wäre
00:40:11: zustande gekommen dann ist ja auch auf französischer Seite natürlich und Bei allen Unterschieden, da treffen sich ja diese beiden Politiker und irgendwie denkt man das sei jetzt so das
00:40:22: große
00:40:23: Einvernehmen jenseits aller vielleicht immer noch bestehender Interessenunterschiede.
00:40:28: Aber es sind ja
00:40:29: ganz unterschiedliche Persönlichkeiten.
00:40:31: aber was die beiden gemeinsam haben ist auf der einen Seite der Stresemann erkennt wir können nicht mit dem Kopf durch die Wand Wir müssen bei der Durchsetzung unserer eigenen Interessen
00:40:42: auch
00:40:42: die Interessen der anderen Seite berücksichtigen.
00:40:45: und ein
00:40:46: Aristide-Briand, der zu der
00:40:48: Überzeugung gekommen ist.
00:40:50: Ja Sicherheit vor
00:40:52: Deutschland das brauchen
00:40:54: wir.
00:40:55: aber
00:40:56: Wir können diese Sicherheit nicht nur mit Zwangsmitteln durchsetzen, sondern wir müssen zu einem Modus Vivendi kommen indem wir
00:41:06: Sicherheit vor
00:41:07: Deutschland sozusagen kooperativ mit Deutschland herstellen.
00:41:12: Indem wir Deutschland einbinden zum Beispiel in ein multilaterales
00:41:17: Gebilde
00:41:18: wie den Völkerbund und indem wir
00:41:21: zu
00:41:21: einem Einvernehmen in Streitfragen kommen.
00:41:26: Ein solcher Deal, wenn er denn zustande gekommen wäre.
00:41:30: Also eine finanzielle
00:41:32: Ablösung
00:41:33: von Territorialbestimmungen des
00:41:36: Versaillervertrages.
00:41:39: Dafür gab es natürlich
00:41:41: sozusagen
00:41:42: ein Zeitfenster.
00:41:45: Aus der Perspektive von sechsundzwanzig
00:41:48: sah es so aus als würde das was die deutsche Seite gefordert hat
00:41:53: im Rahmen
00:41:55: Versaia-Vertrag ist spätestens
00:41:59: in den letzten Jahren.
00:42:01: Das gilt für eine Abstimmung, es sollte ja nicht eine einfache
00:42:04: Rückgabe des Saargebietes geben.
00:42:07: Es
00:42:07: sollte eine Volksabstimmung stattfinden und der Maßgabe der Volksabstellung
00:42:11: sollte
00:42:12: eventuell die Rückgaben erfolgen, selbst wenn man jetzt unterstellte, dass die Volksabgestimmung zugunsten Deutschlands ausgegangen wäre.
00:42:20: dann hätte man noch neun Jahre warten müssen, inklusive
00:42:24: der Rückgabe des Saargruben.
00:42:26: Für die vollständige
00:42:28: Räumung des Rheinlandes ebenfalls.
00:42:30: Die vollständigen Räume des Rheinlandes war
00:42:33: auch erst
00:42:34: für nineteenhundert und dreißig mit Zwischenetappen vorgesehen.
00:42:38: Das heißt aus der deutschen Perspektive gab es sechsundzwanzig ein erhebliches Interesse diesen Prozess zu beschleunigen Im Idealfall, neun Jahre
00:42:49: vorher.
00:42:50: Auf französischer Seite erkennt
00:42:52: Brion
00:42:53: natürlich und Stresemann wird ihm das dann auch nochmal in den Jahren nach Tuarie noch mal sagen des Zeitfenster wird immer kleiner.
00:43:03: je weiter wir
00:43:05: in die dreißiger Jahre voranschreiten,
00:43:07: desto
00:43:08: geringer wird die
00:43:09: deutsche Bereitschaft
00:43:10: sein für diese französische Gegenleistung noch
00:43:14: größere
00:43:15: Leistungen zu erbringen.
00:43:16: Weil man dann immer näher dem Datum kommt wo vielleicht
00:43:20: diese
00:43:20: Territorien
00:43:21: oder auf jeden
00:43:22: Fall diese Territerien wieder zu Deutschland kommen.
00:43:26: Insofern Sehe ich Info-Rie nicht, dass der eine den anderen über den Tisch zieht.
00:43:31: Sondern ich sehe die Möglichkeit zu einer Win-win Situation inklusive der
00:43:36: Tatsache
00:43:37: das natürlich
00:43:38: diese Beseitigung
00:43:39: von noch bestehenden Gegensätzen in den deutschwanzösischen Beziehungen diesen wenn denn der Deal zustande gekommen wäre nochmal eine neue Qualität hätte geben können.
00:43:53: Jetzt haben sie erklärt, dass eine Voraussetzung für diesen Deal zumindest auf französischer Seite oder ein starkes Argument für diesen Deal nämlich die franzöischen Währungs- und Budgetprobleme.
00:44:05: Dass die sozusagen dann im Nachgang von Tuari weggefallen sind oder zumindest sich reduziert haben diese Schwierigkeiten zeigt auch das Scheitern am Ende von Tuarie.
00:44:19: Ja, sie haben ja auch gesagt Strese man habe dabei brillant wohl etwas zu viel hinein interpretiert.
00:44:27: An zugeständenes Bereitschaft zeigt dieses Scheitern von Torrey am Ende auch die Grenzen der persönlichen Diplomatie.
00:44:33: also nach dem Motto zwei Politiker können sich verständigen aber Sie müssen ihre Gesellschaften ja auch mitnehmen.
00:44:39: wir haben jetzt noch gar nicht darüber gesprochen ob das überhaupt in Deutschland und Frankreich den gesellschaften ein solcher Deal zu verkaufen wäre.
00:44:48: Ja, natürlich.
00:44:50: Es zeigt sich, Tuarie ist fast
00:44:53: ein Musterbeispiel
00:44:55: dafür wie der schönste
00:44:57: Bilateralismus keine Ergebnisse bringen kann wenn er den internationalen Kontext, den multilateralen Rahmen ausblendet.
00:45:07: und bei Tuarien
00:45:08: war es evident
00:45:09: da wurden Punkte verhandelt in die eben nicht nur das Deutsche Reich und Frankreich involviert waren, sondern viele andere internationale Akteure.
00:45:21: Also
00:45:21: das ist etwas was wir
00:45:23: in gewisser Weise auch
00:45:24: bis heute strukturell aus dieser Erfahrung
00:45:27: von Tuarie
00:45:28: für bilaterale Politik
00:45:30: ziehen können.
00:45:31: und dann weil sie auf
00:45:32: das
00:45:32: persönliche Verhältnis auch angespielt haben natürlich
00:45:38: zwei Politiker
00:45:39: alleine können nicht ein so komplexes Problembündel selbst bei bestem Einvernehmen aus der Welt bringen.
00:45:47: Hinzu kommt man muss natürlich schon auch sehen,
00:45:50: Aristide Briand
00:45:51: und Gustav Stresemann sind keine persönlichen Freunde.
00:45:56: Man könnte leicht zu einer so etwas harmonisierenden oder auch sentimentalisierenden Wahrnehmung dieser beiden kommen, indem man denkt die treffen sich da auch zu einem guten Essen.
00:46:09: Stresemann betont auch nochmal abends als er nach Genf zurückgekommen ist gegenüber der Presse Auch wenn er nicht auf Details eingeht, aber er lobt noch mal
00:46:18: das gute
00:46:19: Klima und betont auch gegenüber den Journalisten.
00:46:23: Wenn man fünf Stunden ungefähr fünf Stunden zusammensitzt dann können sie daraus schließen dass man wohl nicht nur kontroverse Überzeugung hat sondern es ist auch sehr viel gemeinsam Überzeugungen gibt die überhaupt erst ermöglichen ein vertieftes
00:46:38: Gespräch zu
00:46:40: führen.
00:46:41: Aber
00:46:42: das ändert nichts daran, dass natürlich Gustav Stresemann und Aristide
00:46:48: Breon
00:46:48: – und beide wissen das auch voneinander – ihre jeweiligen nationalen Interessen vertreten.
00:46:55: Verständigungspolitik
00:46:57: ist ja
00:46:58: eben dieses Missverständnis,
00:47:00: dass die radikale
00:47:01: Rechte in der Weimar Republik
00:47:03: befördert hat.
00:47:08: aus der Perspektive
00:47:09: Stresemanns von deutschen Interessen.
00:47:12: Es bedeutet nur, wir können diese Interessen effektiver durchsetzen wenn wir sie im Einvernehmen mit unseren Partnern versuchen durchzusetzen und wenn wir gleichzeitig
00:47:27: auch
00:47:27: die Interessen dieser Partner in unser eigenes Kackühl einbeziehen.
00:47:33: Dies gesagt gibt es aber
00:47:35: einen grundlegenden Unterschied bei den deutschen und bei den französischen Interessen.
00:47:42: Stresemann will verständlicherweise zu einer Revision des Weissayer Vertrags kommen,
00:47:49: auf friedlichem
00:47:50: Wege unter Einsatz
00:47:53: wirtschaftlicher
00:47:53: Mittel.
00:47:55: keine militärische
00:47:56: Politik,
00:47:57: kein neuer Krieg.
00:47:58: Auf der anderen Seite
00:48:00: Aristide
00:48:01: Briandt will vor allen Dingen für sein Land Sicherheit
00:48:06: vor Deutschland.
00:48:09: Das betont ja auch im Nachgang von Tuari.
00:48:11: Tuari
00:48:12: ordnet sich in die Logik von
00:48:16: Versaillocano
00:48:18: und Völkerbund ein, also das nimmt Stresemann natürlich
00:48:23: auch wahr dass
00:48:25: es hier bei aller Konzilianz in Detailpunkten und bei allem Vermögen der beiden doch
00:48:33: auch zu
00:48:33: konkreten Einigungen zu kommen,
00:48:36: dass es hier
00:48:37: einen grundlegenden Interessenunterschied gibt.
00:48:41: Und dennoch erkennen beide in ihrem persönlichen Verhältnis und das
00:48:46: erklärt
00:48:46: warum es überhaupt zu einem Treffen wie in Tuarie kommen konnte.
00:48:51: Erkennen beide
00:48:52: oder attestieren
00:48:53: beide dem jeweils anderen
00:48:55: die Bereitschaft
00:48:56: zum Kompromiss in der Zeit der Zusammenarbeit mit Sträsemann,
00:49:03: respektiert diesen
00:49:05: Partner.
00:49:06: Das ist eine wesentliche Basis um zu gemeinsamen Lösungen sehr schwieriger Fragen zu kommen.
00:49:13: und das schließt
00:49:14: überhaupt
00:49:14: nicht aus.
00:49:15: und das sehen wir dann einige Jahre
00:49:17: später als
00:49:18: ein neuer Reparationsplan.
00:49:22: Der JANG-Plan verhandelt wird.
00:49:25: Da sehen wie
00:49:26: stark Die Heftig auch, Briand
00:49:28: und Stresemann in Verhandlungen aufeinander treffen können.
00:49:33: Und sich auch streiten können.
00:49:35: Da ging es dann erneut um die Räumung des Rheinlandes als die Verkopplung
00:49:40: der
00:49:41: Reparationsprogramms gemäß dem Youngplan mit eben einem vorzeitigen Abzug
00:49:48: der Besatzungstruppen
00:49:50: aus dem Rheinland.
00:49:51: Und da kommt es zu erheblichen Auseinandersetzungen zwischen Stresemann und Breon, aber
00:49:57: das erklärt sich halt weil beide
00:50:00: die Interessen ihres Landes verfolgen und das schließt
00:50:03: überhaupt
00:50:04: nicht
00:50:04: aus dass sie sich beide gleichzeitig respektieren
00:50:08: und am Ende zu gemeinsamen Lösungen kommen wollen.
00:50:12: Das,
00:50:14: was
00:50:15: das Fundament dieser gemeinsamen Lösungen ist.
00:50:18: Das ist eben
00:50:19: das Sträsemann-Einsied.
00:50:21: Letztlich
00:50:22: müssen wir mit Frankreich zusammenarbeiten.
00:50:24: Wir müssen zu einem Einvernehmen in Frankreich kommen und das Breon wiederum einsiedt.
00:50:29: Wir können nicht nur mit Zwangsmitteln versuchen Deutschland
00:50:33: zu
00:50:34: kontrollieren sondern wir müssen Sicherheit vor Deutschland mit!
00:50:40: Deutschland herstellen.
00:50:41: Das heißt, das ist dann sozusagen trotz des Scheiterns des großen Deals das positive?
00:50:46: Es hat sich durch diese Gespräche etwas Grundsätzliches verändert, nämlich die Vorstellung dass Deutschland und Frankreich ihre Konflikte bilateral aushandeln können.
00:50:56: Ja in der Tat
00:50:57: also vordergründlich
00:50:59: kann man natürlich von einem Scheittern vom Tuarisch sprechen aus den Gründen, die wir jetzt doch schon angesprochen haben.
00:51:06: es kommt nicht zu dieser Generalbereinigung
00:51:11: der
00:51:12: deutsch-französischer
00:51:14: Streitpunkte
00:51:16: und auf der anderen Seite geht natürlich die Verständigungspolitik
00:51:20: weiter.
00:51:21: Ich weiß nicht, es wird gerne in Darstellungen auch in wissenschaftlichen Darstellungswirktuarie gerne als
00:51:29: der Höhepunkt der
00:51:31: deutschwanzösischen Verständigungspolitika
00:51:33: dargestellt
00:51:35: weiß ich nicht, vielleicht wenn man ausgeht.
00:51:39: Da haben zweimal in die Zukunft
00:51:42: projiziert
00:51:43: und aufgrund dieses ambitionierten Programm ist
00:51:46: das da zwei
00:51:47: Politiker entwickelt haben kann man sagen Das zeigt natürlich welche besondere Qualität mittlerweile die deutsch- französischen Beziehungen gewonnen haben dass das überhaupt möglich ist, dass man über diese Themen sprechen kann eine Etappe der Verständigungspolitik, genauso wie Locarno.
00:52:08: Eine Etape ist und Tuarie eben eine weitere.
00:52:12: Und die Verständigungspolitika
00:52:14: geht weiter.
00:52:15: Es
00:52:15: gibt innerhalb der Wissenschaft auch eine Debatte darüber inwiefern streise man doch zunehmend ist
00:52:26: darüber, dass
00:52:27: seine Verständigungspolitik
00:52:30: auch aus
00:52:30: seiner eigenen Perspektive doch nicht so schnell zu einer Revision des Fassaya-Vertrages
00:52:36: geführt hat.
00:52:37: Wie er das
00:52:38: selber erhofft hat natürlich aber auch aufgrund des innenpolitischen Drucks der auf ihm lastete.
00:52:45: Aber das ändert ja nichts, dass er diese
00:52:48: Politik bis zu
00:52:49: seinem Tod im Oktober neunzehnundzwanzig fortgeführt
00:52:52: hat.
00:52:52: Und wenn man sich von dem Hintergrund dieses verheerenden Ersten Weltkrieges
00:52:59: situiert,
00:53:02: enorme Erfolge gebracht hat.
00:53:04: Wenn man bedenkt, in der Jahr neunzehntig wird Stresemann Reiskanzler und Außenminister das
00:53:10: Ruhrgebiet besetzt die deutsche Währung zerrüttet.
00:53:14: Das Reich steht teilweise vor der Auflösung
00:53:18: wenn man an die
00:53:19: Abspaltungs
00:53:21: separatismus Tendenzen im Rheinland denkt aber auch die Aufstände die es in Ost- und Mitteldeutschland damals
00:53:28: gibt.
00:53:30: über die Jahre danach Beilegung der Rohrbesetzung, Innenpolitik
00:53:35: die Währungsstabilisierung
00:53:37: durch die Wärungsreform.
00:53:39: Lokanoverträge Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund mit einem ständigen Sitz im Völker-Bundsrat und damit
00:53:49: wieder die
00:53:50: Aufnahmen Deutschlands wenige
00:53:53: Jahre
00:53:53: nach dem Ersten Weltkrieg
00:53:55: wieder in
00:53:55: die internationale Gemeinschaft als ein anerkanntes Mitglied.
00:54:01: Unabhängig von Tuarie, dieser Deal kommt nicht zustande.
00:54:05: Dennoch Anfang der Jahr die internationale Militärkontrollkommission wird aufgelöst.
00:54:13: Endlich Ende der Jahre gelingt es noch, Stresemann verhandelt das noch.
00:54:21: er erlebt dann leider nicht die Umsetzung.
00:54:27: Zweite Zone des besetzten Rheinlandes geräumt und,
00:54:33: die
00:54:33: dritte und letzte Zone, fünf
00:54:35: Jahre
00:54:37: vor der Rheimung, die
00:54:38: im Versailler
00:54:39: Vertrag vorgesehen war.
00:54:41: Deutschland
00:54:42: erreicht
00:54:43: also
00:54:44: innerhalb von zehn, zwölf Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges
00:54:50: doch erhebliche
00:54:52: Revisionen des
00:54:54: Versaillervertrags
00:54:55: und das über Verhandlungen im Einvernehmen mit den Siegermächten des Ersten Weltkrieges.
00:55:03: Und das geht einher, mit einem enormen Ansehensgewinn für Deutschland insgesamt und natürlich
00:55:12: auch für
00:55:13: Stresemann im angelsächsischen Raum.
00:55:16: in Großbritannien Amerika spricht man regelrecht von der Stresemanpolitik
00:55:21: Ja, also koppelt diese
00:55:23: Außenpolitik
00:55:24: berechtigterweise auch gerade
00:55:27: an diesen Außenminister.
00:55:29: und wenn wir uns die Reaktionen internationalen Reaktionen nach seinem Tod im Oktober, neunzehntneunundzwanzig anschauen.
00:55:37: Dann sehen wir welche Betroffenheit es in Frankreich gibt in der Presse, in der Politik
00:55:44: und auch die
00:55:45: Betroffenkeit in Großbritannien und
00:55:49: den USA.
00:55:50: also
00:55:50: da ist enorm viel geschaffen worden in einer doch vor dem Hintergrund des ersten Weltkrieges
00:55:56: der Verheerungen
00:55:58: Sie haben von den Gesellschaften gesprochen auf der
00:56:01: Basis
00:56:02: eines enormen gegenseitigen Misstrauens.
00:56:06: Vor dem All das,
00:56:08: all diese Hypotheken
00:56:09: die materiellen, ideellen Hypothekien aus dem Ersten Weltkrieg in dieser Nachkriegszeit
00:56:17: überführt worden
00:56:18: sind.
00:56:19: und da ist enorm viel geschaffen worden.
00:56:22: und des Bittere
00:56:24: ist
00:56:25: und daran scheitert ja dann dieser politischer Ansatz.
00:56:28: Das Bittere ist diese
00:56:30: Verkettung, natürlich eine zufällige Koincidence einerseits der Tod von Stresemann Anfang Oktober Und dann natürlich Ende Oktober, der Börsenkreis in New York und damit der Übergang in die
00:56:45: Weltwirtschaftskrise
00:56:47: mit all den gerade auf
00:56:48: deutscher Seite.
00:56:50: Mit all den negativen Auswirkungen auf das politische Klima
00:56:54: des Erstarken
00:56:55: der nationalistischen Rechten und das betonte Weggehen von Stresemanns Politik hin wieder zu einer
00:57:05: eher
00:57:05: Konfrontationspolitik ein seitige Forderungen stellen, gegebenenfalls sogar fair accompliesschaffen.
00:57:12: Jetzt sagen Sie ansehensgewinn, starke Ansehenzgewinnen auch in Großbritannien für Stresemann?
00:57:19: Man sollte dann vielleicht noch ergänzen ansehnensgewinnt für Stresemann und Breon.
00:57:23: beide haben ja im Nachgang vor einhundert Jahren jetzt den Friedensnobelpreis gekriegt.
00:57:28: das haben wir noch gar nicht erwähnt.
00:57:34: die beiden wahrgenommen worden sind, dass die beiden auch eben als
00:57:39: tatsächlich
00:57:40: ein bei allen unterschieden in der Persönlichkeit im grundsätzlichen Interesse
00:57:49: doch
00:57:50: einen Ja, heutzutage weil sie gerne auch den Bogen dann mal in die Gegenwach der deutsch-französischen Beziehungen schlagen.
00:57:57: Heutzutag wird man eben von einem erfolgreichen Tandem oder wie man in Frankreich sagt
00:58:04: Kupple
00:58:05: sprechen und diese Verleihung des Friedensnobelpreises zeigt natürlich
00:58:11: auch wie überstrese
00:58:13: man hinaus, wie es natürlich auch einen enormen deutschen Ansehensgewinn gegeben hat.
00:58:20: Ich betone das immer
00:58:21: weil
00:58:21: man muss es eben vor dem Hintergrund dieses
00:58:24: ersten
00:58:24: Weltkrieges und dieser frühen Nachkriegszeit sehen.
00:58:27: und
00:58:28: was da aufgebaut
00:58:30: worden ist ja am Ende wenn wir.
00:58:43: Das
00:58:43: ist eine enorme Leistung und eine enorme Stabilisierung der nicht nur der deutsch-französischen Beziehungen, sondern mindestens
00:58:54: auch der europäischen
00:58:56: Politik.
00:58:57: Aber es gelingt ja irgendwie nicht, das ganze strukturell abzusichern.
00:59:01: Es bleibt dann doch entscheidend mit den handelnden Politikern verbunden und als eben dieser Gustav Streisemann mit einundfünfzig Jahren ist er gestorben, die politische Bühne verlässt, ist auch dieses Thema praktisch
00:59:16: erledigt.".
00:59:17: Ja, weil es
00:59:17: mit einer tiefgehenden strukturellen Cäsur einhergeht.
00:59:21: Aber wir haben ja eben schon mal davon gesprochen was können zwei
00:59:25: Politiker leisten
00:59:27: die sich grundsätzlich
00:59:28: respektieren?
00:59:29: Die grundsätzlich bereit sind zu einem Kompromiss in Streitfragen zu kommen?
00:59:36: Das ist ja etwas, was wir
00:59:38: bis heute in den deutsch-französischen Beziehungen auch haben.
00:59:41: Ich habe es eben schon mal zitiert.
00:59:42: Wir sprechen ja gern vom Motor aber eben auch vom Tandem und den Frankreich, vom Kuppel also vom Paar von deutsch französischem Paar.
00:59:52: dahinter stehen natürlich
00:59:53: auch so leicht
00:59:54: romantisierende und auch simplifizierende Vorstellungen,
00:59:59: wie Politik abläuft.
01:00:00: Aber eins ist
01:00:01: völlig klar – und das zeigt sich bei Stresemann
01:00:03: und Breon – des persönliche Element kann natürlich
01:00:07: durchaus produktiv
01:00:09: sein.
01:00:09: Persönlicher Respekt,
01:00:11: persönliches
01:00:11: Einvernehmen,
01:00:12: Bereitschaft auf
01:00:14: den anderen dem anderen zuzuhören und gegebenenfalls eben zu Kompromissen zu kommen.
01:00:19: Das ist ein wichtiger Faktor.
01:00:20: aber gleichzeitig
01:00:21: zeigt ja schon Tuari, und nicht erst der Tod von Stresemann.
01:00:26: Tuari
01:00:27: zeigt ja bereits Bilateralismus
01:00:29: ist eingebettet in einen größeren internationalen Kontext.
01:00:33: Sie können mit dem besten Bilateralismus nicht
01:00:37: multilaterale Probleme
01:00:38: lösen.
01:00:39: Und diese ganze Reparationsfrage
01:00:41: aber auch die Räumungsfrage
01:00:44: Rheinland Da waren andere Staaten genauso involviert wie Frankreich.
01:00:50: Insofern
01:00:52: Also auch da zeigt sich bereits
01:00:54: eine Grenze dessen, was bilateral möglich
01:00:57: ist
01:00:58: und hinzukommt natürlich ein weit
01:01:01: über das politische
01:01:02: hinausgehender
01:01:04: struktureller
01:01:05: Kontext.
01:01:06: Und dazu gehören gesellschaftliche
01:01:08: Aspekte dazugehören
01:01:10: ökonomischer Aspechte und deswegen
01:01:13: ist es
01:01:14: eben nicht nur Anfang Oktober der Tod, neunzeigneinundzwanzig.
01:01:19: Der
01:01:19: Tod Stresemanns,
01:01:20: der da eine Zäsur oder vielleicht ein Endpunkt
01:01:24: der Verständigungspolitik
01:01:26: auf deutscher Seite bedeutet, sondern es ist eben dieser Übergang in die Weltwirtschaftskrise,
01:01:32: der ja
01:01:33: nicht nur in Deutschland, vielleicht in extremer Form aufgrund dieses deutschen Nationalismus Aber auch in anderen Staaten zu
01:01:42: Abschottung,
01:01:43: Protektionismus.
01:01:45: Sofki Pö rette
01:01:47: sich weh kann führt.
01:01:49: Insofern reicht es nicht wenn zwei sich einig sind über Dinge
01:01:54: die sehr
01:01:54: viele andere betreffen und die einen günstigen strukturellen Rahmen verlangen.
01:01:58: Jetzt würde ich zum Abschluss unseres Gesprächs gerne nochmal tatsächlich nicht den Bogen in die Gegenwart schlagen, aber zumindest in die frühen Jahre der Bundesrepublik.
01:02:09: Sie haben gerade schon mal gesagt, dass Gustav Stresemann zu den wenigen Weimarer Politikern gehörte, die dann noch wohl gelitten waren in der jungen Bundesrepublique.
01:02:19: Wie wichtig war denn diese ... Ich glaube sie haben jetzt gesprochen von einer Etappe der deutsch-französischen Annäherung mit Streseman und Briand?
01:02:28: Nachher tatsächlich für die Arbeit, Adenauer und De Gaulle fortgesetzt haben.
01:02:35: Da sind wir auch wieder bei der
01:02:36: Frage
01:02:37: von Persönlichkeit und Strukturen, die ja in der Geschwichts- wissenschaft insgesamt eine ganz interessante
01:02:45: Frage ist.
01:02:46: also
01:02:46: welche Bedeutung haben Persönlichkeiten für den historischen Prozess?
01:02:50: Und
01:02:51: Welche
01:02:51: Bedeitung haben Strukture?
01:02:53: Inwiefern markiert dieses Zusammenspiel Stresemann eine
01:02:59: wichtige Etappe
01:03:00: in den deutsch-französischen Beziehungen und inwiefern
01:03:04: präformiert
01:03:05: oder prefiguriert
01:03:06: sich hier so
01:03:07: ein bisschen von dieser Politik, die es dann nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben hat.
01:03:12: Also
01:03:12: zum einen zeigt
01:03:14: Tuarie
01:03:15: einvernehmen und überhaupt diese Verstände.
01:03:17: in deutsch französische Verständigungspolitik.
01:03:20: Einigung ist möglich Vertretung der eigenen Interessen
01:03:25: ist produktiv,
01:03:26: wenn man die Position des anderen mit einbezieht.
01:03:29: Unter anderem das Sicherheitsempfinden und einer der Kernüberzeugungen auch, der Adenauerischen Frankreich-Politik nach dem Zweiten Weltkrieg.
01:03:39: Er
01:03:39: sagt das Expressis
01:03:40: Verbis in einem Interview auch mal – es ist völlig
01:03:43: egal ob wir aus der westdeutschen
01:03:46: Perspektive denken, dass wir doch keine Bedrohung mehr für Frankreich darstellen.
01:03:50: Wir müssen die französische Wahrnehmung einbeziehen.
01:03:54: und was wir bei Adenauern dann auch sehen, ist natürlich ein nicht konfliktfreies auf keinen Fall, aber doch ein relatives Vertrauensverhalten ist.
01:04:07: Was
01:04:07: er über die Jahre Jahrzehnte
01:04:10: seiner Kanzlerschaft zu seinen französischen Partnern, ob das Anfang der Fünfzigerjahre Ende der Vierziger-Anfang der Fünftziger Robert Schumann ist oder ob es dann später dem Präsidenten
01:04:22: Charles de Gaulle ist.
01:04:23: Das ist
01:04:24: nie ein völliges Einvernehmen.
01:04:26: Es ist sehr viel Misstrauen auf beiden Seiten.
01:04:30: Es ist diese Bereitschaft
01:04:32: noch bemerkenswerter, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Verhältnis
01:04:38: Schumann
01:04:38: und Adenauer ob der Nähe eben zum zweiten Weltkrig.
01:04:42: Und im Ende des Zweiten Wettkriegs
01:04:45: diese Bereidschaft zu
01:04:46: gemeinsamen Lösungen zukommen.
01:04:49: Da haben wir eine gewisse
01:04:51: Konstante wenn sie so
01:04:53: wollen Zeit übergreifen.
01:04:55: und
01:04:55: jetzt
01:04:55: müssen wir das Ganze aber
01:04:58: relativieren,
01:04:59: und zwar zum einen strukturell und zum anderen inhaltlich.
01:05:03: Die westeuropäische Einigungspolitik
01:05:07: nach dem Zweiten Weltkrieg hat eine völlig andere Qualität
01:05:12: als
01:05:13: die deutsch-französischen Beziehungen oder auch
01:05:15: die Europapolitik
01:05:17: in der Zwischenkriegszeit.
01:05:19: Wir haben noch nicht darüber gesprochen, dass Aristide Briand ja dann neunzehntundundzwanzig und ausgearbeitet neunzenhundertdreißig
01:05:27: ein Europaplan
01:05:28: vorlegt eine Union wenn ich mich recht entsinne eine Union federal.
01:05:34: europäen
01:05:34: schlägt er im Völkerbund, in einer Rede im Völkerbund und dann nochmal Ausgabe bekommt er den Auftrag nach dieser Rede im Volkerbunt.
01:05:42: Bekommt der den Auftragt das in einem Memorandum auszuarbeiten?
01:05:47: Was er davor schläge ist
01:05:49: eine engeren Zusammenarbeit
01:05:51: der europäischen
01:05:53: Staaten unter dem Dach des Völker-Bundes in unterschiedlichen Bereichen.
01:05:57: Politikwirtschaft
01:05:59: aber
01:06:00: das ist natürlich Es kommt ja nachher nicht dazu, aber was ihm vorschwebt ist eine intergovernmentale Zusammenarbeit.
01:06:10: Was ihn nicht vorschwäbt
01:06:11: ist das Europaprojekt,
01:06:13: dass wir dann nach dem Zweiten Weltkrieg haben,
01:06:16: das auf
01:06:16: dem Grundprinzip
01:06:17: des Supranationalismus basiert also
01:06:21: einer Abtretung zumindest in einigen Bereichen Einzelsstaatlicher Souveränität an eine
01:06:30: übergeordnete europäische
01:06:33: Instanz.
01:06:33: Also, da gibt es zum einen schon mal inhaltlich ein ganz großen Unterschied.
01:06:38: und jetzt kommen wir noch zu einem strukturellen Unterschied der natürlich enorm wichtig ist um zu verstehen warum gelingt denn nachhaltig deutsch-französische
01:06:50: Aushöhnung
01:06:55: und warum in der Zwischenkriegszeit nur sehr vorübergehend.
01:07:00: Und das hängt natürlich gut, wir haben eben schon die Zäsur von neunundzwanzig erwähnt mit der Weltwirtschaftskrise.
01:07:06: aber hinzu kommt natürlich – Wir haben nach nineteenhundertfünfundvierzig oder dann eben einen ganz anderen internationalen Kontext für den deutsch-französischen Bilateralismus ein sehr viel sehr viel günstiger internationale Voraussetzungen, nämlich den Ost-Westkonflikt mit einem gemeinsamen neuen Feindbild das zunehmend eben das alte Feind Bild ablöst.
01:07:34: Neue Feind bild ist die Sowjetunion zunehmend auch aus französischer Perspektive, nicht mehr Deutschland geschweige denn diese kleine Bundesrepublik Deutschland stellt Bedrohung für uns da sondern die Sowjetunion und dann natürlich
01:07:48: auch der
01:07:49: amerikanische Druck.
01:07:50: Die Präsenz am Amerikas in Europa?
01:07:53: Natürlich!
01:07:54: Und das politische Interesse
01:07:56: der USA Westeuropa zu stabilisieren.
01:07:59: Und da gibt es eben auch, wenn wir von Deal-Eingangs gesprochen haben.
01:08:04: Wir leisten
01:08:05: euch Wirtschaftshilfe
01:08:07: Stichwort
01:08:07: Marshallplan.
01:08:09: Wir
01:08:09: geben euch
01:08:10: Sicherheit gegenüber der Sowjetunion.
01:08:13: und Stichworte NATO.
01:08:15: aber dafür wollen
01:08:16: wir
01:08:17: dass ihr aus
01:08:18: euren alten, völlig
01:08:20: überholten
01:08:21: in den neuen Strukturen überholte Grabenkämpfen rauskommt unter anderem
01:08:28: ihr Deutschen
01:08:28: und ihr Franzosen.
01:08:30: Eurokonflikte von früher und auch aus dem Zweiten Weltkrieg die passen nicht mehr in die heutige Zeit.
01:08:37: also macht was.
01:08:39: und das ist ja dann auch der Hintergrund vor dem es am neunten Mai der eigentlich an Schumann-Jormoneplan gewesen ist zur Gründung der europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.
01:08:55: Das ist
01:08:56: eben ein neuer konstruktiver Ansatz
01:08:59: aus der Erkenntnis
01:09:00: heraus, das schafft wieder eine Parallele
01:09:05: zu der
01:09:05: Zeit nach dem ersten Weltkrieg.
01:09:08: Schaffen
01:09:09: wir
01:09:10: die französische Regierung?
01:09:12: Wir in Frankreich schaffen wir Sicherheit vor Deutschland, in dem Fall der kleinen Bundesrepublik Deutschland.
01:09:19: Indem wir einseitige Kontrolle
01:09:22: etablieren
01:09:23: wie sie ja noch über das Besatzungsregime und dann auch die internationale Ruhrbehörde in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg
01:09:32: besteht.
01:09:33: oder
01:09:33: schaffen wir es zu einer konsensualen Sicherheit einer gemeinsamen geschaffenen Sicherheit,
01:09:41: Deutsche
01:09:42: und Franzosen zusammen in beispielsweise
01:09:45: der EGKS schafft Sicherheit vor
01:09:50: einem unkontrollierten deutschen wirtschaftlichen Wiederaufstieg.
01:09:54: Und gegebenenfalls auch damit ein hergehend einen militärischen Wideraufstiege.
01:10:00: so
01:10:01: kann Vertrauen entstehen und so kann eine immer weitergehende Zusammenarbeit im europäischen Rahmen entstehen.
01:10:09: Also
01:10:10: parallelen
01:10:11: Jahr eine Etappe, Stresemann-Briand eine ETAppe aber dennoch nach nineteenhundertfünfundvierzig oder neunzehnhundertneinundviertzig fünfzig inhaltlich und strukturell eine ganz andere
01:10:24: Politik.".
01:10:31: Folge onehundertel von Frankophil mit Rainer Markowitz Professor für Deutschlandstudien an der Universität Lothringen.
01:10:40: Wissenschaftliche Begleitung dieser Folge Landry Charié.
01:10:43: Der Dank für Förderung und Unterstützung geht an das Gustav Stresemann-Institut und den deutsch-französischen Bürgerfonds.
01:10:49: Mein Name ist Andreas Noll.